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Neue S3-Leitlinie zu Harnrückfluss im Kindes- und Jugendalter

| Pressemitteilungen 2026, DEGUM Aktuell,

„Schallen statt Strahlen“: Ultraschall kann Kindern Röntgenuntersuchung ersparen

Eine moderne, strahlenfreie Ultraschallmethode erweitert die diagnostischen Möglichkeiten bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege im Kindes- und Jugendalter: die kontrastverstärkte Miktionsurosonografie (MUS). Sie kann insbesondere einen Rückfluss von Urin aus der Blase in Richtung Nieren zuverlässig sichtbar machen – ganz ohne Röntgenstrahlung. Mit der S3-Leitlinie „Kontrastverstärkte Miktionsurosonografie im Kindes- und Jugendalter“ erhält das Verfahren nun eine wichtige evidenzbasierte Grundlage und gewinnt als Alternative zur konventionellen Röntgen-Miktionszysturethrografie (MCU) weiter an Bedeutung. Federführend bei der Leitlinie ist die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e. V. (DEGUM).

Hier geht’s zur Leitlinie: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/085-007 

Bei der kontrastverstärkten MUS wird über einen dünnen Katheter Ultraschallkontrastmittel mit winzigen Gasbläschen, sogenannten Microbubbles, in die Harnblase eingebracht. Während der Untersuchung beobachten Ärztinnen und Ärzte im Ultraschall, ob Urin entgegen der normalen Flussrichtung aus der Blase in die Harnleiter und bis zu den Nieren zurückfließt. Dieser sogenannte vesikoureterorenale Reflux (VUR) ist insbesondere bei Kindern mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen, angeborenen Auffälligkeiten des Harntraktes oder entsprechenden Ultraschallbefunden von Bedeutung. Wiederholte Nierenbeckenentzündungen können Narben im Nierengewebe hinterlassen und langfristig dessen Funktion beeinträchtigen.

Diagnostik ohne Strahlen

„Ein wesentlicher Vorteil der kontrastverstärkten MUS ist, dass sie vollständig ohne ionisierende Strahlung auskommt“, erklärt Professor Dr. med. Hans-Joachim Mentzel, Leitlinienkoordinator und Leiter der Sektion Pädiatrie der DEGUM. Zwar konnte die Strahlendosis der Röntgen-MCU durch technische Weiterentwicklungen in den vergangenen Jahren reduziert werden. Dennoch befinden sich bei dieser Untersuchung die besonders strahlenempfindlichen Keimdrüsen – Eierstöcke beziehungsweise Hoden – im Strahlenfeld. „Auch Eltern und Sorgeberechtigte bevorzugen die strahlenfreie Ultraschalluntersuchung, wenn beide Verfahren für die jeweilige diagnostische Fragestellung geeignet sind“, so Mentzel.

Darüber hinaus kann mit der MUS kontinuierlich beobachtet werden, was während der Füllung der Harnblase und beim Wasserlassen geschieht. Die Röntgen-MCU erfasst dagegen nur einzelne Momente. Auch Veränderungen der Harnblase und der Harnröhre können mit Ultraschall dargestellt und beurteilt werden. Damit liefert die MUS über die reine Refluxdiagnostik hinaus wichtige Informationen über die ableitenden Harnwege.

Erfahrung und Ausbildung sind entscheidend

„Die Qualität der Untersuchung hängt wesentlich von der Erfahrung der Untersuchenden ab“, betont Prof. Mentzel. Die S3-Leitlinie sieht deshalb vor, dass Ärztinnen und Ärzte zuvor entsprechende theoretische und praktische Erfahrungen erwerben – unter anderem im Rahmen DEGUM-zertifizierter Module und Hospitationen. Mit zunehmender praktischer Erfahrung könnten auch ein Reflux bis in das Nierengewebe, der sogenannte intrarenale Reflux, sowie krankhafte Veränderungen der Harnröhre wie Harnröhrenklappen sicher erkannt werden. „Eine strukturierte Ausbildung und permanente Weiterbildung sind entscheidend, damit die Vorteile der kontrastverstärkten Miktionsurosonografie im klinischen Alltag zuverlässig genutzt werden können“, sagt Mentzel.

S3-Leitlinie stärkt den Stellenwert der Methode

Die neue S3-Leitlinie definiert fachliche und gerätetechnische Voraussetzungen und gibt evidenzbasierte Empfehlungen für die Durchführung und Auswertung der Untersuchung. Zugleich zeigt sie auf, bei welchen Fragen weiterer Forschungsbedarf besteht. Erarbeitet wurde sie unter Koordination von Mentzel mit Vertreterinnen und Vertretern der konservativen und operativen Kinder- und Jugendmedizin – darunter Nephrologie, Urologie und Chirurgie – sowie der Kinder- und Jugendradiologie. „Die kontrastverstärkte Miktionsurosonografie verbindet eine hohe diagnostische Aussagekraft und Sicherheit mit dem entscheidenden Vorteil, dass Kinder keiner ionisierenden Strahlung ausgesetzt sind“, sagt Mentzel. „Die Aufnahme des Verfahrens als S3-Leitlinie in das Register der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) ist ein wichtiger Meilenstein für eine moderne, kindgerechte Diagnostik.“

Auch auf der Abrechnungsebene hat sich die Entwicklung fortgesetzt: Die kontrastverstärkte MUS wird im aktuellen Entwurf der vom Deutschen Ärztetag 2025 verabschiedeten neuen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) berücksichtigt. Damit gewinnt das Verfahren neben seiner medizinischen Etablierung im klinischen Alltag weiter an Bedeutung.

Beim 49. Dreiländertreffen der deutschsprachigen Ultraschallgesellschaften vom 23. bis 26. September 2026 in Mainz ist die Miktionsurosonografie auch Thema eines Anwenderseminars.

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