Drucken

Der Vorstand 2016 bis 2018 im Interview

Professor Dr. med. Peter Jecker

Peter Jecker ist bereits seit 2014 Vorstandsmitglied und war von 2016 bis 2018 der zweite Neupräsident, der ursprünglich aus der kleinen Sektion Kopf-Hals Sektionkommt. Für die jetzige Amtszeit als DEGUM-Präsident sieht er große strukturelle Aufgaben auf sich und die Fachgesellschaft zukommen, die viel Arbeit aber auch große Chancen bedeuten.

1. Welche persönlichen Ideen/Visionen haben Sie in das Ihnen derzeitig betraute Vorstandsamt als Neupräsident gebracht?

Ich wurde 2016 in das Amt des Neupräsidenten gewählt, nachdem ich zuvor zwei Jahre lang dem Vorstand als Sekretär gedient hatte. Dort gab es viel zu organisieren, da sich die DEGUM gewissermaßen in einem Umbruch befand. Außerdem wurde ich mit der Organisation der Wissenschaftsförderung betraut. Anscheinend habe ich die mir anvertrauten Aufgaben zufriedenstellend erledigt, so dass mir damals die Position des Neupräsidenten zugetraut und ich gewählt wurde. Darauf folgt dann ja die Präsidentschaft. Dabei freut es mich natürlich besonders, dass ich nach Professor Wolf Mann bereits der zweite Neupräsident der DEGUM bin, der ursprünglich aus der relativ kleinen Kopf-Hals-Sektion entstammt.

2. Welche (Ihnen wichtigen) Punkte konnten Sie in Ihrer jetzigen Amtszeit realisieren?

Insgesamt gibt es kaum Punkte, die allein auf den Schultern eines Vorstandsmitglieds lasten. Wichtige Entscheidungen der vergangenen zwei Jahre, wie beispielsweise der Umzug der Geschäftsstelle in Berlin, die Initiierung einer koordinierten Beteiligung der DEGUM an der Erstellung von wissenschaftlichen Leitlinien oder auch Personalentscheidungen, waren nur zügig möglich, weil die Mitstreiter im DEGUM-Vorstand alle an einem Strang gezogen haben.

3. Wie haben Sie ihre jetzige Amtszeit erlebt, welches Fazit ziehen sie daraus?


Ich kann nur eine positive Bilanz ziehen. Die Arbeit im Vorstand macht nach wie vor viel Freude. So muss es aber auch sein, denn es ist ja mehr oder weniger eine Freizeitbeschäftigung und in meiner Freizeit habe ich keine Lust, mich herumzuärgern. Entscheidend sind dabei für mich die Mitarbeiter, sei es im Vorstand selbst, in der Geschäftsstelle oder in der Akademie. Und da sind wir derzeit hervorragend aufgestellt, was Kompetenz und persönlichen Einsatz des Einzelnen betrifft. Deshalb ziehe ich daraus das Fazit, dass ich mich unter den jetzigen Rahmenbedingungen gerne auch zukünftig bei der DEGUM einbringe.

4. Welche Erfahrungen können Sie an Ihre Nachfolger weitergeben beziehungsweise welche Themen werden Ihrer Einschätzung nach für diese am relevantesten sein?

Das Amt des Neupräsidenten dient in erster Linie der Vorbereitung auf die Präsidentschaft. Das bedeutet, dass der Neupräsident in zwei Jahren einer Gesellschaft vorstehen wird, die von Natur aus extrem inhomogen ist. Es sind ja derart viele Fachgruppen, von denen der Ultraschall vollkommen unterschiedlich bewertet wird und die auch unterschiedlichste berufspolitische sowie wissenschaftliche Interessen verfolgen, so dass es in diesem Dschungel schnell möglich ist, die Orientierung zu verlieren. Deshalb ist der künftige Neupräsident gut beraten, sich gründlich in die Strukturen der DEGUM einzuarbeiten, denn als Präsident wird von ihm erwartet, dass er im Interesse aller Mitglieder handelt.

5. Mit welchen Themen möchten Sie sich künftig als Präsident für die DEGUM einsetzen?

Die Beteiligung der DEGUM an den wissenschaftlichen Leitlinien zur Stärkung des Ultraschalls wird ein zentrales Zukunftsthema sein. Dieses Projekt wurde vom vergangenen Präsidenten PD Dr. med Heling angestoßen, es wird uns aber in den Folgejahren sicherlich intensiv beschäftigen. Des Weiteren muss die Zusammenlegung der beiden Geschäftsstellen vorbereitet werden, was ja schon vor vielen Jahren beschlossen wurde. In diesem Zusammenhang sind Personalentscheidungen zu treffen, die ungeahnte Auswirkungen auf das Tagesgeschäft haben können. Das impliziert eine große Verantwortung. Und dann sind da noch zahlreiche andere Dinge, die abgearbeitet werden müssen. So sollten beispielsweise Lösungen für eine Studentenförderung durch die DEGUM entwickelt werden. Hier geht es beispielsweise darum zu überlegen, , welche Forschungsvorhaben zukünftig gefördert werden, inwiefern die Vorstellungen von der DEGUM, der Österreichischen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (ÖGUM) und der Schweizerischen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (SGUM) synchronisiert werden könnenund so weiter.. Insofern bin ich mir sicher, dass es nicht langweilig wird.

6. Worin sehen Sie aktuell die größten gesundheitspolitischen Herausforderungen für die DEGUM / Haben sich aus Ihrer Sicht seit unserem letzten Interview 2016 neue Herausforderungen ergeben?

Unser letztes Interview liegt ja noch nicht sehr lange zurück, weshalb ich sagen würde, dass sich da nicht viel Neues ergeben hat. Nach wie vor gilt es, den Ultraschall als Bildgebungsverfahren der ersten Wahl fest zu etablieren.

7. Wo steht die DEGUM / die Ultraschallentwicklung im internationalen Kontext? In welchen Bereichen ist Deutschland Vorreiter? Wo können wir etwas von anderen Ländern lernen?

Unter den internationalen Ultraschallgesellschaften ist meines Wissens nach die DEGUM die mitgliederstärkste Gesellschaft, auf jeden Fall in Europa. Eine Vorreiterposition sehe ich darin, wie wir in Deutschland den Ultraschall interpretieren. Da mag es die eine oder die andere Ausnahme geben, aber in der Regel besitzt der Ultraschall in unserer Vorstellung erst dann eine hohe Aussagekraft, wenn er vor dem Hintergrund des klinischen Wissens durch den behandelnden Arzt erfolgt. Und genau aus diesem Grund sollten wir von der DEGUM auch in Zukunft ganz entscheidend dafür eintreten, dass der Ultraschall in erster Linie vom Arzt persönlich durchzuführen ist und wir müssen meiner Einschätzung nach Bestrebungen aus anderen Ländern, in denen der Ultraschall - aus welchen Gründen auch immer - an medizinisches Hilfspersonal delegiert wird, entscheidend entgegentreten.

8. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich derzeit im klinischen Alltag / der klinischen Forschung?


Zuerst mal habe ich eine HNO-Klinik zu leiten, in der jährlich circa 2000 Patienten stationär behandelt werden. Jeder, der eine ähnliche Tätigkeit ausübt, weiß, dass es dabei wichtig ist, klinisch immer am Ball zu bleiben, , um auch in Zukunft gut aufgestellt zu sein. Was den Ultraschall betrifft, beschäftigen wir uns in erster Linie mit klinischen Fragestellungen, wie beispielsweise der Schilddrüsensonographie und der Elastographie. Gerade haben Professor Welkoborsky und ich einen neuen Kopf-Hals-Ultraschallatlas auf den Weg gebracht. Daneben muss ich mich als Ärztlicher Direktor unseres Klinikums im Alltag um Dinge wie die Krankenhaushygiene, die Umsetzung des Medizinproduktegesetzes oder auch um diverse Personalangelegenheiten und vieles mehr. gemeinsam mit der Geschäftsleitung kümmern. Durch diese Tätigkeit bekomme ich allerdings ungeahnte Einblicke in verschiedenste Fachabteilungen und Strukturen des Hauses, was mir bei so mancher Aufgabe, die dann wieder bei der DEGUM anfällt, zu Gute kommt.


PD Dr. med. Kai-Sven Heling

Kai-Sven Heling ist derzeitiger Präsident der DEGUM (2016 bis 2018) und leitet eine Praxis für Pränatalmedizin in Berlin. Seit nunmehr vier Jahren ist er DEGUM-Vorstandsmitglied und setzt sich seither insbesondere für die Ultraschall-Ausbildung ein. Auch als künftiger Vizepräsident wird ihm die Leitlinienarbeit und die Qualität der Aus- und Weiterbildung ein großes Anliegen sein.

1. Welche persönlichen Ideen/Visionen haben Sie in Ihr derzeitiges Vorstandsamt als Präsident gebracht?

Meine Ziele waren und sind die Stärkung des Ultraschalls als Teil der ärztlichen Arbeit in der wissenschaftlichen und öffentlichen Wahrnehmung.

2. Welche (Ihnen wichtigen) Punkte konnten Sie in Ihrer jetzigen Amtszeit realisieren, bevor diese im Herbst endet?

Ein wichtiger Punkt ist die Leitlinienarbeit, wo wir die DEGUM gut aufgestellt haben. So kann man die Wichtigkeit des Ultraschalls auch gut transportieren.

3. Wie haben Sie ihre jetzige Amtszeit erlebt, welches Fazit ziehen sie daraus?

Die Amtszeit war durch eine sehr konstruktive Arbeit im Vorstand gekennzeichnet.

4. Welche Erfahrungen können Sie an Ihre Nachfolger weitergeben beziehungsweise welche Themen werden Ihrer Einschätzung nach für diese am relevantesten sein?

Ich denke, dass auch künftig der Stellenwert des Ultraschalls ein Thema sein wird, da es andere bildgebende Methoden gibt, und andererseits nichtärztliche Berufsgruppen in diesem Feld aktiv sind.

5. Mit welchen Themen möchten Sie sich künftig als Vizepräsident für die DEGUM einsetzen?

Für mich werden weiterhin die Leitlinienarbeit und die Qualität der Aus- und Weiterbildung wichtige Themen sein.

6. Worin sehen Sie aktuell die größten gesundheitspolitischen Herausforderungen für die DEGUM / Haben sich aus Ihrer Sicht seit unserem letzten Interview 2016 neue Herausforderungen ergeben?

Die DEGUM ist eine interdisziplinäre Fachgesellschaft, die sich über die Anwendung einer Methode definiert. Da fällt mitunter die Abgrenzung zu den klassischen wissenschaftlichen Fachgesellschaften schwer. Gleichzeitig drängen andere Mitbewerber, wie beispielsweise. nichtärztliches Personal, auf dieses Gebiet der Medizin. In diesem schwierigen Umfeld muss sich die DEGUM behaupten, insbesondere durch klare Definition von Qualitätsstandards und -kriterien. Wir sollten als DEGUM ein Interesse daran haben, dass hier keine Verwässerung stattfindet.

7. Wo steht die DEGUM / die Ultraschallentwicklung im internationalen Kontext? In welchen Bereichen ist Deutschland Vorreiter? Wo können wir etwas von anderen Ländern lernen?

In der Gesellschaft sind wir bezüglich der Akzeptanz des Ultraschalls sicher Vorreiter - auch in der Definition von Qualitätsstandards. Unser Stufenkonzept ist sicherlich führend. Gleichzeitig muss dies aber auch gelebt, also auch kontrolliert werden. Hier sind andere Länder durchaus stringenter.

8. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich derzeit im klinischen Alltag / der klinischen Forschung?

Meine Schwerpunkte sind die Anwendung der 3D-Sonographie in der pränatalen Diagnostik, insbesondere auch bei inneren Organen und die fetale Echokardiographie sowie die Anwendung neuer Schallköpfe in der Pränataldiagnostik, beispielsweise von elektronischen Sonden.


Dr. med. Siegfried Krishnabhakdi

 

Siegfried Krishnabhakdi war von 2016 bis 2018 2. Beisitzer im engen Vorstand der DEGUM. Dem Chefarzt an der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Herford lag in seiner Amtszeit die Ausbildung des studentischen und ärztlichen Nachwuchses besonders am Herzen. "Lernen zu vereinfachen kann eine Möglichkeit sein, Freiräume für Lehrende und Lernende zu schaffen." Eines seiner beruflichen Beschäftigungsschwerpunkte liegt daher auf der Entwicklung eingängiger Lehrkonzepte.

1. Welche persönlichen Ideen/Visionen haben Sie in das Ihnen derzeitig betraute Vorstandsamt als Beisitzer gebracht?

Mir liegt die Ausbildung des studentischen und ärztlichen Nachwuchses besonders am Herzen. Besonderen Fokus lege ich dabei auf didaktische Konzepte, die das Lernen vereinfachen und effizienter gestalten, und zielorientiertes Lernen – um nur zwei Punkte zu nennen.

2. Welche (Ihnen wichtigen) Punkte konnten Sie in Ihrer jetzigen Amtszeit realisieren, bevor diese im Herbst endet?

Ein großes – und nun abgeschlossenes – Projekt war die Abbildung von Ultraschallthemen im „Nationalen kompetenzbasierten Lernzielkatalog in der Medizin“ (NKLM). Es hat den Ultraschall in seinen Facetten gut vertreten. Was ich gerne intensiviert hätte: Eine von der DEGUM initiierte und über die NKLM hinausgehende Plattform für die studentische Ausbildung, die in weiten Teilen noch sehr inhomogen gehalten ist.

3. Wie haben Sie ihre jetzige Amtszeit erlebt, welches Fazit ziehen sie daraus?

Die Zusammenarbeit im Vorstand ist lehrreich, befruchtend und intensiv zugleich. Inspirierend ist, dass wir trotz unterschiedlicher Meinungen meist Konsensus fähig sind. Auf Grund beruflicher und privater Herausforderungen konnte ich mich in der jetzt zu Ende gehenden Amtszeit nicht immer so einbringen, wie es mir Freude gemacht hätte. Das bedaure ich und bin meinen Vorstandskollegen für das Verständnis und die Unterstützung dankbar. Mein Fazit: Ich möchte die Zeit nicht missen.

4. Welche Erfahrungen können Sie an Ihre Nachfolger weitergeben bzw. welche Themen werden Ihrer Einschätzung nach für diese am relevantesten sein?

Spannend ist die fachliche Breite der DEGUM. Die einzelnen Sektionen und Arbeitskreise haben unterschiedliche Ausrichtungen und Bedürfnisse. Diese unter einen Hut zu bekommen, wird auch künftig ein herausragendes Thema sein. Als Beispiele möchte ich den „Sonographer“, die Ausbildung, die Gestaltung des Alltags (Wer macht was, wann, wieviel in Zukunft?) nennen. Den Blick offen und flexibel zu halten wird gerade unter der weiter zunehmenden Ökonomisierung der Medizin eine wachsende Herausforderung.

5. Mit welchen Themen möchten Sie sich künftig für die DEGUM einsetzen?

Mit der Weiterentwicklung des Kurssystem und der Gestaltung der Weiterbildung.

6. Worin sehen Sie aktuell die größten gesundheitspolitischen Herausforderungen für die DEGUM? / Haben sich aus Ihrer Sicht seit unserem letzten Interview 2016 neue Herausforderungen ergeben?

Das Diktat der Ökonomie lässt immer weniger Spielraum für Ausbildung, Lehre und eine individuelle Patientenbetreuung. Lernen zu vereinfachen kann eine Möglichkeit sein, Freiräume für Lehrende und Lernende zu schaffen. An diesem Punkt kann die DEGUM ansetzen. Ultraschall ist Arzt-Patient-Kontakt und damit Möglichkeit für bilateralen Austausch. Und ein klares Argument gegen den „Sonographer“.  Ein weiterer Aspekt ist die Vergütung der Ultraschallleistung. Hier ist Luft nach oben, da muss man die Wege auch unserer Vorgänger mutig und beharrlich weitergehen.

7. Wo steht die DEGUM / die Ultraschallentwicklung im internationalen Kontext? In welchen Bereichen ist Deutschland Vorreiter? Wo können wir etwas von anderen Ländern lernen?

Wir, die Länder in Europa und im außereuropäischen Ausland, unterscheiden uns in vielen Punkten: Ausbildung, Wissenschaft, Zertifizierung, Vergütung und andere. Wichtig ist, miteinander im Gespräch zu bleiben, neugierig und offen zu sein. Aus meiner Sicht sind wir in Deutschland wissenschaftlich gut aktiv. In der Lehre, auch während der Facharztausbildung, sehe ich bei uns noch Raum für Entwicklungen.

8. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich derzeit im klinischen Alltag / der klinischen Forschung?

Ausbildung im Ultraschall, Entwicklung eingängiger Lehrkonzepte, intraoperativer Ultraschall, Ultraschall als Instrument bei der Patienteneducation.


Professor Dr. med. Markus Hahn

Markus Hahn ist Leiter der experimentellen Senologie am Department für Frauengesundheit des Universitätsklinikums Tübingen. Er war 2014 bis 2016 Beisitzer im DEGUM-Vorstand und empfindet die  Arbeit in der DEGUM als produktiv und harmonisch. Seine Vision ist es, die Wertigkeit des Ultraschalls in den zukünftigen Leitlinien strukturiert und evidenzbasiert abzubilden und ihn als selbstverständliches Instrument zu manifestieren.


1. Welche persönlichen Ideen/Visionen haben Sie in das Ihnen derzeitig betraute Vorstandsamt als Beisitzer gebracht?

Zunächst möchte ich mich bei den Mitgliedern der DEGUM und meinen Kollegen im Vorstand sowie der Geschäftsstelle sehr herzlich für die sehr gute Zusammenarbeit der letzten Jahre bedanken. Wir haben es gemeinsam geschafft die DEGUM wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen und die Inhalte des Ultraschalls wieder in den Vordergrund zu stellen. Die DEGUM ist die führende multidisziplinäre Fachgesellschaft für den Ultraschall. Die Zusammenarbeit mit der ÖGUM und SGUM gibt immer wieder neue Impulse und verläuft sehr harmonisch.

Die neue Generation von Ärztinnen und Ärzten sollte den Ultraschall als „die multidisziplinäre Untersuchung“ verstehen, die es uns erlaubt wie selbstverständlich in den Körper hineinzuhören/sehen, ähnlich wie es uns das Stethoskop davor erlaubte. Dieser selbstverständliche Umgang mit dem Ultraschall ist meine persönliche Vision.

2. Welche (Ihnen wichtigen) Punkte nehmen Sie evtl. noch in Angriff / konnten Sie in Ihrer jetzigen Amtszeit realisieren, bevor diese im Herbst endet?

Mir persönlich liegt die Ausbildung der nächsten Generation von Ärztinnen und Ärzten sehr am Herzen. Dank der guten Zusammenarbeit mit der DEGUM-Ultraschall-Akademie ist es für die neue Generation sehr einfach Spitzenkurse nach den Vorgaben der DEGUM und KBV online zu finden und sich direkt anzumelden. Diese Plattform ist hoch frequentiert und die Teilnehmerzahlen reflektieren den Erfolg unserer DEGUM-Kursleiter und der DEGUM-Ausbildungsphilosophie.

Darüber hinaus hat für mich die klinische Forschung im Bereich Ultraschall höchste Priorität. Der jetzige Vorstand hat die klinische Forschung im Bereich Ultraschall maximal unterstützt. Diese beispielhafte Unterstützung ist nur durch eine gute Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, Gutachtern, Geschäftsstelle und Vorstand möglich. Die Räder in der DEGUM laufen aktuell sehr harmonisch.

3. Wie haben Sie ihre jetzige Amtszeit erlebt, welches Fazit ziehen sie daraus?

Zunächst bin ich für das Vertrauen der Mitglieder in den jetzigen Vorstand sehr dankbar und möchte mich dafür bedanken. Unser ehemaliger Präsident, Kai Heling, hat die DEGUM national und international mit großem Engagement geführt und dabei den Neupräsidenten bereits gut auf sein neues Amt vorbereitet. Insbesondere die Themen Leitlinienarbeit und Evidenzbasierte Medizin wurden in der jetzigen Amtsperiode beachtet. Wir müssen es schaffen die Wertigkeit des Ultraschalls in den zukünftigen Leitlinien strukturiert und evidenzbasiert abzubilden. Der Ultraschall ist im Vergleich zu allen anderen bildgebenden Verfahren ohne großen technischen Aufwand, ohne Strahlung und multidisziplinär anwendbar. Schlussfolgernd ist diese Methode als „die Bildgebung“ des Arztes zu verstehen und muss sich als solche in den Leitlinien abbilden.

4. Welche Erfahrungen können Sie an Ihre Nachfolger weitergeben bzw. welche Themen werden Ihrer Einschätzung nach für diese am relevantesten sein?

Das aus meiner Sicht wichtigste Zukunftsthema ist die automatisierte Ultraschalluntersuchung. Automatisierte Scanner kombiniert mit intelligenter Befundungssoftware (Machine learning) werden zukünftig zur Verfügung stehen. Wir müssen mit der Zeit gehen und uns in diesen Bereichen weiterbilden. Der Ultraschall wird sich in vielen Bereichen mehr und mehr auf die Arbeit an der Workstation verlagern und mit anderen bildgebenden Verfahren fusionieren. Als DEGUM sollten wir in diesem Prozess darauf achten, dass gerade die multidisziplinäre Qualität erhalten bleibt.

5. Mit welchen Themen möchten Sie sich künftig für die DEGUM einsetzen?

Das Dreiländertreffen 2019 wird von der DEGUM in Zusammenarbeit mit der ÖGUM und SGUM in Mainz ausgerichtet werden. Der Vorstand hat Herrn Dr. Hans-Peter Weskott und mich gebeten als Kongresspräsidenten die Veranstaltung zu koordinieren.

Wir nehmen diesen Auftrag sehr ernst und wollen allen Mitgliedern einen unvergesslichen Kongress bieten. Daher möchte ich jetzt schon alle bitten, sich den Termin vorzumerken: vom 16.-19. Oktober findet das 3LT 2019 in Mainz statt zu dem ich alle gemeinsam mit meinem Co-Präsidenten Dr. Weskott und den Vorständen der ÖGUM, SGUM und DEGUM sehr herzlich einladen möchte.

6. Worin sehen Sie aktuell die größten gesundheitspolitischen Herausforderungen für die DEGUM? / Haben sich aus Ihrer Sicht seit unserem letzten Interview 2016 neue Herausforderungen ergeben?

Gesundheitspolitik in Deutschland dreht sich hauptsächlich um den Bereich Finanzpolitik. Unser System ist nach dem Solidaritätsprinzip aufgebaut. Das Prinzip ist gut. Das System hat bisher auch funktioniert. Aber wir merken alle Veränderungen. Stichwort: Pflegenotstand, Ärztemangel, Interessenkonflikte. Wir sollten die Frage nicht unbeantwortet lassen, warum sich unser System so entwickeln konnte.

Die medizinische Versorgung in Deutschland muss aus meiner Sicht umstrukturiert werden. Qualität ist nur durch Zentralisierung und Spezialisierung zu erzielen. Gleichzeitig brauchen wir aber auch eine breite Grundversorgung in der Fläche. Unnötige, nicht evidenzbasierte Leistungen, die nicht zum Nutzen unserer Patientinnen und Patienten betragen, verstopfen unsere ärztliche Handlungsfähigkeit. Ärztliche Heilkunst braucht Zeit. Zeit für den Patienten und Zeit für den Arzt um frei nachdenken zu können. Unnötige, nicht ärztliche Arbeit muss in der nächsten Dekade aus allen unseren Prozessketten „entsorgt“ werden. Wir müssen zurück zu unseren grundsätzlichen ärztlichen Aufgaben finden.

Wenn wir aber das Solidaritätsprinzip ernst nehmen wollen, dann müssen wir darauf achten, dass die Ressourcen auch für die medizinische Versorgung genutzt werden und nicht in anderen dividendenreichen Kanälen verschwinden.

7. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich derzeit im klinischen Alltag / der klinischen Forschung?

Als Leiter der Experimentellen Senologie (Lehre der Brust) im Department für Frauengesundheit am Universitätsklinikum Tübingen beschäftige ich mich hauptsächliche mit Erkrankungen der Brust. Diagnostik sowie die operative und systemische Therapie des Mammakarzinoms sind mein Spezialgebiet. In Bezug auf den Ultraschall forsche ich mit meinem Team gemeinsam zum einen zum Thema HIFU bei der Behandlung von Brusttumoren und zum anderen untersuchen wir die Wertigkeit des intraoperativen Ultraschalls bei Mammakarzinom-Operationen. Als Fazit aus unseren Studien kann ich sagen, dass ein Ultraschallgerät in jedem Operationssaal zur Verfügung stehen sollte, denn: Schallen bedeutet sehen.


Professor Dr. med. Peter Kozlowski

 

Peter Kozlowski ist derzeitiger Schatzmeister der DEGUM (seit 2016). Der Gynäkologe ist Gründungspartner der fachübergreifenden ärztlichen Partnerschaftsgesellschaft von Frauenärzten und Humangenetikern praenatal.de, Praenatal-Medizin und Genetik Düsseldorf. Er hat nun seit über 30 Jahren seine DEGUM-Stufe III-Zertifizierung. Seines Erachtens nach wird u.a. die künstliche Intelligenz in der Sonographie künftig eine große Rolle spielen.  

1. Welche persönlichen Ideen/Visionen haben Sie in das Ihnen derzeitig betraute Vorstandsamt als Schatzmeister gebracht?

Nach mehr als 30 Jahren DEGUM Stufe 3-Zugehörigkeit war es an der Zeit der DEGUM etwas zurückzugeben.

2. Welche (Ihnen wichtigen) Punkte konnten Sie in Ihrer jetzigen Amtszeit realisieren?

Wir konnten die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Thieme fortsetzen und die Aufgaben der Ultraschall-Akademie präzisieren. Derzeit setzen wir noch die Leitlinienplanung mit den jeweiligen Fachgesellschaften sowie eine langfristige Haushaltsplanung der DEGUM unter dem Gesichtspunkt der Gemeinnützigkeit um.

3. Wie haben Sie ihre jetzige Amtszeit erlebt, welches Fazit ziehen sie daraus?

Die Amtszeit war sehr bunt, erlebnisreich und voller überwiegend positiver Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen der verschiedenen Disziplinen.

4. Welche Erfahrungen können Sie weitergeben bzw. welche Themen werden Ihrer Einschätzung nach für diese am relevantesten sein?

Die relevantesten Themen werden meines Erachtens die künstliche Intelligenz in der Sonographie und die Rolle der nichtärztlichen Prozessbeteiligten sein.

5. Mit welchen Themen möchten Sie sich künftig für die DEGUM einsetzen?

Ich möchte mich weiterhin der Haushaltsgestaltung und der Mitarbeit an den Leitlinien widmen.

6. Wo steht die DEGUM / die Ultraschallentwicklung im internationalen Kontext? In welchen Bereichen ist Deutschland Vorreiter? Wo können wir etwas von anderen Ländern lernen?

Diese Frage kann ich am besten für mein Fachgebiet – die Pränatal-Medizin – beantworten. Hier hat Deutschland Nachholbedarf bei der systematischen Erfassung der Schwangerschaftsverläufe und entsprechender Studien. Auch sind elementar wichtige Untersuchungen wie das Ersttrimester-Screening und spezielle diagnostische Verfahren nicht oder nur unzureichend in die Vorsorge integriert.

7. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich derzeit im klinischen Alltag / der klinischen Forschung?

Derzeit arbeite ich am Ausbau des Ersttrimester-Screenings als ein umfassendes prädiktives Modell.