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Gemeinsame Tagung der Sektionen Chirugie | Innere Medizin | Radiologie | AK IVUS & HAV

Am Freitag, 13. und Samstag, 14. Juni 2025 fand in Trier eine DEGUM-Sommertagung statt, die von der einladenden Sektion Chirurgie mit den Sektionen Innere Medizin und Radiologie, sowie den Arbeitskreisen hausärztliche Versorgung und Interventioneller Ultraschall gemeinsam organisiert wurde.

 

Die Sektionen Innere Medizin und Chirurgie hatten 2025 beide den Plan den Renteneintritt jeweils einer langjährig DEGUM-engagierten Person mit einem Abschiedssymposium zu würdigen: Frauke Petersen aus Lüneburg (Innere Medizin) und Matthias Wüstner aus Trier (Chirurgie).

Die Tagung beherbergte die in den Geschäftsordnungen vorgesehenen Kursleiter- und Stufentreffen der beteiligten Sektionen und Arbeitskreise. Darüber hinaus verlieh die Sektion Innere Medizin ihren Förderpreis an Dr. Florian Michael und der hausärztliche AK führte eine DEGUM-2-Prüfung durch. Vor allem bot die Tagung aber ein zweitägiges Programm an Fortbildungssitzungen, in denen eine vortragende Person aus jeder der beteiligten DEGUM-Gruppen (Hausärztliche Versorgung, Innere Medizin, Radiologie, Interventioneller Ultraschall und Chirurgie) das jeweilige Sitzungsthema aus dem Blickwinkel der eigenen Fachgruppe beleuchtete.

Die ausrichtende Sektion Chirurgie hatte den Sitzungen chirurgische Oberthemen gegeben. In Sitzung 1 stellten die Referierenden zum Thema „Perioperative Sonografie“ dar, was in ihrem jeweiligen Fachhorizont mit Ultraschall bei PatientInnen erreicht werden kann, die operiert werden müssen oder operiert worden sind.

Sitzung 2 griff mit dem Thema „Sonointerventionen und/oder Chirurgie?“ vor allem die Perspektive des AK IVUS auf.

Parallel zur Sitzung 2 traf sich die Sektion Innere Medizin zu zwei Kursleiterprüfungen. Wir gratulieren Frau Dr. Claudia Lucius und Herrn Dr. Nils Raab zur erfolgreichen Absolvierung der Stufe III Kurleiter der Sektion Innere Medizin.

Sitzung 3 war die traditionelle Industriesitzung, in deren Rahmen Referierende der mit Ausstellungständen anwesenden Firmen jeweils Innovationen bzw. das aktuelle Geräteportfolio im Hinblick darauf präsentierten, welche Vorteile ihre Produkte für Anwendungen in den verschiedenen beteiligten Fachgruppen bieten.

Präsentiert wurden hier verschiedene Facetten der immer besser werdenden Sono-Bildqualität, aber auch verblüffende Einblicke in Firmenstrategien, z. B., dass ein großer Medizingerätehersteller ein nahes gelegenes Krankenhaus kaufte, um ein ideales Testfeld zu haben, in dem alle Produkte des Herstellers im Zusammenspiel unter realen Alltagsbedingungen im permanenten Test evaluiert und verbessert werden können. Bei fast allen Referierenden spielte zudem auch der zunehmende Einsatz von KI-Tools bei der Bildbewertung, Untersuchungsleitung und Befundtext-Generierung eine große Rolle.

Im Anschluss an Sitzung 3 fanden die Mitgliederversammlungen der beteiligten Sektionen und Arbeitskreise statt. Die Sitzungsprotokolle hierzu werden separat veröffentlicht.

Sitzung 4 war als Antwort auf Sitzung 3 konzipiert. DEGUM-Sono-ExpertInnen bewerteten von der Industrie vorgestellte Innovationen aus dem Blickwinkel ihrer jeweiligen Fachgruppe und skizzierten anwenderseitige Wünsche für die weitere technische Entwicklung.

An das Kongressprogramm schloss sich abends eine kurze Stadtführung durch sommerlich warme Teile der Trierer Altstadt an, bei der die Teilnehmenden spannendes über die Porta Nigra und andere, teils noch altrömische Gebäude erfuhren.

Die gewählte Abendessen-Location, ein mittelalterlicher Gewölbekeller aus der späteren Trierer Geschichte (11. Jhd.) erwies sich angesichts der Außentemperatur als kühler Glückstreffer.

Die von Frauke Petersen und Matthias Wüstner empfangenen Teilnehmenden lernten hier u. a. einige Elemente der Trierer Ernährung kennen, wie Kappes Teerdisch und Viez, eine eine einheimische, besonders herbe Apfelweinvarietät, als Schorle (Viez-Sprudel) ein ideal bekömmliches Sommer-Volumengetränk.

Die beiden Rentenjubiläen Frauke Petersen (Innere Medizin) und Matthias Wüstner (Chirurgie) wurden im Rahmen der Veranstaltung verabschiedet.

Der zweite Kongresstag startete Samstagmorgen um 8 Uhr mit einer Sitzung, in der im Plenum aller Teilnehmenden die Leitungen der teilnehmenden Sektionen und Arbeitskreise sich wechselseitig über relevante Themen und Inhalte der Sektions-/AK-internen Sitzungen des Vortages informierten.

Die folgende Sitzung 5 startete mit dem von Frauke Petersen konzipierten und moderierten Themenkomplex zur Fehlerkultur in der medizinischen Sonografie, in der unter dem Titel „Böcke, die ich geschossen habe“ von hochdekorierten DEGUM-Mitgliedern entsprechende Fälle vorgestellt wurden, woraus sich eine befreiend offene Diskussion dieses normalerweise leider meist beschwiegenen Themas entwickelte. Neben Fehlinterpretations-Fallstricken bei der Untersuchung wurde auch ein Fall referiert, in dem eine laparoskopische Cholezystektomie erfolglos abgebrochen werden musste, weil die Patientin bereits cholezystektomiert war, der Sono-Untersuchende präoperativ, aber versehentlich den Textbaustein „Cholezystolithiasis“ (statt „Z.n. Cholezystektomie“) angeklickt hatte.

Nach diesem spannenden Themenkomplex folgte ein Impulsvortrag in dem Dirk Clevert den schnell fortschreitenden Einsatz von KI-Lösungen für Bildbewertung, Untersuchungsleitung und Befundtext-Generierung eindrucksvoll darstellte. Selbst die vor kurzem noch für utopisch gehaltene autonom-robotische Sonografie rückt mittlerweile in den Bereich des immer besser machbaren. So gäbe es bereits Krankentransportfahrzeuge, in denen ein Sono-Roboter autonom einen FAST-Check durchführen und einen Befund erstellen könne.

Als ein Höhepunkt der Tagung gestaltete sich anschließend das „Strategische Forum Abdomen-Sonografie“, in dem Protagonisten der beteiligten Sektionen und Arbeitskreise dieses ihnen gemeinsame Anwendungsgebiet mit dem Ziel gemeinsamer und allgemein verlässlicher Standardisierung diskutierten.

In Impulsreferaten stellte Matthias Wüstner zunächst ein Standardisierungskonzept für die Abomensonografie vor, das u. a. in der größten deutschen interdisziplinären Sonografie Ab-teilung (s. Sitzung 7) in Jahrzehnten entwickelt und ausgefeilt wurde. Dieses Konzept überwindet die weit verbreitete „Organfokussierte“ Abdomensonografie, bei der die Untersuchenden auch mental auf die Erfassung einer bestimmten Anzahl von Organen beschränkt vorgehen, und ersetzt dieses durch ein „topographisch anatomisches“ Konzept, bei dem durch volumenmäßig bestmöglich komplettes Erfassen von einzelnen Abdomen-Regionen in einer standardisierten Reihenfolge letztlich das Gesamtabdomen i. R. der technischen Möglichkeiten komplett erfasst wird.

Durch die jeweilige Miterfassung aller anatomischer Strukturen einer Region wird z. B. auch der Magendarmtrakt sukzessive hinsichtlich relevanter Auffälligkeiten miterfasst und nicht als ein – in sich sehr aufwändiges – einzelnes Organsystem erst im Anschluss an die Untersuchung der sonstigen Organe „hinten drangehängt“.

Außerdem verwies er auf die bereits in der EFSUMB international konsentierten Vorarbeiten zu „Professional Standards“ der medizinischen Sonografie.

Benjamin Bode skizzierte die Anwendung der Abdomensonografie unter den Einschränkungen der hausärztlichen Tätigkeit, wobei in der Regel nur stark limitierte, symptomfokussierte Untersuchungen möglich sind, bei denen wichtige weitere abdominelle Aspekte nicht erfasst werden, weil die deutsche Vergütungsstruktur den Zeitaufwand für eine umfassendere Abdomensonografie nicht vergütet.

Valentin Blank beschäftigte sich eingehend mit den Vor- und Nachteilen der ärztlichen vs. nicht ärztlichen Sonografie, die international weit verbreitet ist, und in vielen Gesundheitssystemen unter angemessenen ärztlichen Supervisionsstrukturen selbst im Bereich der komplexen Abdominal-Diagnostik effizient eine gute diagnostische Qualität liefert. In mehreren digital dokumentierten Saal-Umfragen zeigte sich, dass auch in Deutschland in vielen Kliniken insbesondere Echokardiografie und neurologisch-angiologische Diagnostik wohl mehrheitlich von NichtärztInnen durchgeführt werden.

Breiten Raum nahm seine Darstellung der Ausbildungsinhalte von Physician Assistants in Deutschland ein, die in den letzten Jahren zunehmend in den Kliniken ankommen, und dort, derzeit noch wohl nur in Einzelprojekten auch in der abdominellen Sonodiagnostik eingesetzt werden. Mehrere Anwesende mit einschlägigen Erfahrungen lobten die hohe Motivation und guten Vorkenntnisse von PAs beim Schallen. Entsprechende PA-Sono-Projekte wurden teilweise trotzdem wieder eingestellt, weil diese den auszubildenden Ärzten ihre „Lernkurven-Sonografien“ wegnehmen.

Trotz dieses kritischen Aspekts zeigte die Saalumfragen, dass sich die Mehrheit der Teilnehmenden in ihrem jeweiligen Setting den Einsatz von speziell ausgebildeten PAs oder anderen „NichtärztInnen“, die 100% ihrer Arbeitszeit der Sonografie widmen, durchaus kennen und selbst in der Abdomensonografie sinnvoll vorstellen können.

Ergebnisse der Saalumfragen zu Physician Assistants (PA, Frage 1-4):

Zur Frage der Konkurrenz mit den Ausbildungsinteresse der ÄrztInnen wurde angemerkt, dass nicht jeder Arzt oder jede Ärztin „ein Händchen fürs Schallen“ hat, und dass die aus der Aufbruchs-Euphorie der 1970er Jahre stammende Ideologie der deutschen ärztlichen WBO, dass jeder Facharzt „die Ultraschalldiagnostik seines Faches“ beherrscht, zu keiner Zeit Realität war, noch werden kann. Evtl. müssten die fachärztlichen-WBOen dahin gehend angepasst werden, dass alle FachärztInnen tiefgreifende fachspezifische Kenntnisse der Ultraschalldiagnostik im gleichen Sinne haben müssen, wie es für radiologische und sonstige fachspezifische Diagnostik gilt, obwohl auch die Sonografie nicht von ihnen selbst durchgeführt werden muss, sondern von ärztlichen oder ggf. auch nichtärztlichen SpezialistInnen.

Große Einigkeit bestand abschließend darin, dass die DEGUM Konzeption, Ausbildung und Einsatz nichtärztlicher medizinischer Sonografie-Anwendungen aktiv mitgestalten soll. In diesem Zusammenhang wurde auch darauf hingewiesen, dass die DEGUM-Satzung ausdrücklich auch die Mitgliedschaft von NichtärztInnen zulässt.

Nach einer dreißigminütigen Führung durch die Trierer Zentrale interdisziplinäre Sonografie Abteilung am Ende der Mittagspause für ca. 20 Interessierte eröffnete Matthias Wüstner die Nachmittagssitzung „20 Jahre Sonologie in Trier“ als 14. Auflage einer bis zur Pandemie meist einmal jährlich in der Trierer Ärztekammer durchgeführten Sonografie-Fortbildung zu diagnostisch-therapeutischen Themen aus unterschiedlichsten Bereichen. Wüstner selbst hatte dabei 2006 und 2014 über sonokontrollierte Interventionen vorgetragen und zu den anderen Themen jeweils namhafte DEGUM-AutorInnen als Referierende gewonnen:

Alle Anwesenden gaben in je einem 10-minütigen Kompakt-Vortrag Kernaussagen zu ihrem ursprünglichen Thema, i. d. R. ergänzt um ein „Update“ jüngerer Entwicklungen bis 2025. Von den ursprünglichen Referierenden fehlten in dieser Sitzung lediglich Alfred Bunk aus Dresden (Pankreastumordiagnostik 2011) und Horst Sattler aus Bad Dürkheim (Ultraschall bei Leistenbeschwerden 2017).

Mit ihrem schnell getakteten Feuerwerk von immer wieder spannenden Themen überschritt diese Sitzung aber auch wegen fachlichen Diskussionsbedarfs des Auditoriums den Zeitrahmen deutlich.

Für die abschließende berufsstrategische Sitzung zum Thema „Verlässliche Sonografie durch Professionalisierung als „Sonologie“?“ gab DEGUM-Neupräsident Wolfgang Hartung die Einführung und stellte die Fragen in den Raum, die in der abschließenden Podiumsdiskussion bearbeitet werden sollten, bevor Leitungen von großen, interdisziplinären Sonozentren ihre Abteilungen und deren Konzept und Besonderheiten in Kurzvorträgen vorstellten:

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und der langen Heimreisezeiten ab Trier entschied die Sitzungsleitung auf die Podiumsdiskussion zu verzichten. Die Teilnehmenden vereinbarten das Thema im internen Kreis weiter auszuarbeiten und in geeigneter Form innerhalb und ggf. außerhalb Der DEGUM zu kommunizieren/publizieren.

M. Wüstner, T. Karlas, V. Blank, C. Tesch, D. Clevert, B. Bode, J. Döffert, F. Petersen, W. Hartung

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