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Neurochirurgie

Meningeom an der Hirnoberfläche

Die Anwendung des Ultraschalls in der Neurochirurgie impliziert einige besondere Faktoren, die sich gegenüber anderen Fächern erheblich unterscheiden. Bei den meisten Anwendungen handelt es sich um die Anwendung während neurochirurgischer Operationen. Die Möglichkeiten des Trainings beim intraoperativen Ultraschall sind dadurch naturgemäß limitiert und die Sektion Neurochirurgie sieht hier ihre Aufgabe die Trainingsmöglichkeiten durch Übungen an Simulationssystemen maßgeblich zu verbessern. Oft wird die Anwendung durch Artefakte sei es durch Luft oder Blut beeinträchtigt, so dass die Kenntnis artefakt-eleminierender Besonderheiten z. B. durch Lagerung wichtig ist.

In den folgenden Ausführungen sollen mehrere Aspekte unseres Fachgebietes angesprochen werden: 

1. Tumorchirurgie:

Intraoperatives Imaging: Ein Aspekt ist die Lokalisation von Tumoren. Natürlich stehen heutzutage Navigationssysteme zur Verfügung, um Prozesse innerhalb des Gehirns zu orten. Kommt es durch Verlust von Nervenwasser, wie es häufig vorkommt, zum sogenannten Brain shift, so kann der Ultraschall in Echtzeit die Ortung vornehmen. Dies ist besonders wertvoll in eloquenten Regionen, wenn z. B. die Navigation eine unverhergesehene Ungenauigkeit mit sich bringt. Durch bestimmte Anwendungs-Tricks (z. B. Markierung oder intraoperative Landmarkensetzung)  kann auch in der Tiefe während der Resektion eine Richtungs-Korrektur vorgenommen werden.

Die Resektion kann mittels Ultraschall ebenfalls unterstützt werden. Hier können zusätzliche Techniken wie Elastographie und KM-unterstützter Ultraschall (noch in der klinischen Forschung) sinnvoll sein. Der wesentliche Vorteil des intraoperativen Ultraschalls gegenüber der Kernspintomographie ist die relative Schnelligkeit der Untersuchung sowie deren Dynamik.  

2. Kraniosynostosenchirurgie:

Bei den kindlichen Schädelverknöcherungen kann die sogenannte Synostose bereits ohne Anwendung von Röntgenstrahlen durch Ultraschall anchgewiesen werden. Siehe auch Beitrag von PD Dr. Regelsberger von der Universität Hamburg. 

3. Vaskuläre Neurochirurgie:

Wichig in der Aneurysmachirurgie ist nach wie vor der Mikrodoppler, der die Offenheit von Gefäßen eindeutig detektieren kann. Natürlich wird der Mikrodoppler auch angewandt bei spinalen und cerebralen Fisteln und Angiomen. Zur Zeit werden moderne Mikroskop integrierte Techniken wie die Videoangiographie mit Flureszenzfarbstoffen verglichen mit der Mikrodopplersonographie.  Spezialanwendungen des Mikrosdopplers existieren in der Neuroendoskopie, z. B. zur Lokalisation der A. basilaris oder in der Hypophysenchirurgie, wenn es darum geht die A. carotis sicher zu orten.

4. Periphere Nervenchirurgie:

In den letzten Jahren wird der Ultraschall insbesondere in hochauflösender Technik von vielen Operateuren in der Nervenchirurgie angewandt. Zystische Neurinome können z. B. sehr gut nachgewiesen werden.

5. Ultraschall bei dekomprimierten Patienten auf der Intensivstation:

Durch die Dekompressionslücke nach der OP von Schädelhirntraumen oder Entlastungskraniektomien bei Patienten mit Mediainfarkt kann auf der Intensivstation gut geschallt werden. Dies erspart den Patienten unnötige Transporte in die Computertomographie, wenn z. B. subdurale Ergüsse bereits durch Ultraschall erkannt werden.   
Natürlich hat die transkranielle Dopplersonographie nach wie vor ihre Berechtigung bei der Bestimmung des Vasospasmus nach Subararachnoidalblutung.

6. Spinale Neurochirurgie:

Bei intraduralen und auch intramedullären Eingriffen kann man sich mit dem Ultraschall  nach der knöchernen Freilegung helfen, die optimale Position der Duraeröffnung oder danach auch Rückenmarkseröffnung bzw. Myelotomie vorzunehmen. Auf die gleiche Art und Weise kann nach Anlage eines syringosubarachnoidalen Shunts bei Syringomyelie direkt der Erfog der Maßnahme bewiesen werden. Es gibt sicherlich noch eine Vielzahl weiterer Anwendungen, die hier nicht weiter beschrieben werden, aber in der Zukunft in Spezialkursen vermittelt werden sollen.    


Prof. Dr. M. Scholz
Klink für Neurochirurgie
Klinikum Duisburg/Wedau Kliniken