Diagnostik von Lungenerkrankungen im „Deutschen Ärzteblatt“

22.07.2014 | DEGUM Aktuell, DEGUM - News/zu Sek u. AK, Ärzte

DEGUM-Experte weist Autoren auf Stellenwert des Ultraschalls hin

Bei der Diagnostik von Lungenerkrankungen, insbesondere im Bereich der Notfall-, Intensiv- und Kindermedizin, gehört der Lungenultraschall heute zu den gängigen und aussagekräftigsten Verfahren. In einem Artikel zu Therapieoptionen bei Lungenerkrankungen darf die Thoraxsonografie daher nicht unerwähnt bleiben, kritisiert ein Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) eine Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt. In ihrem Artikel „Radiologische Diagnostik von Lungenerkrankungen: Beachtung der Therapieoptionen bei Wahl des Verfahrens“* hatten die Autoren Vor- und Nachteile von Röntgenthorax, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztherapie (MRT) erörtert, die Thoraxsonografie jedoch nicht aufgeführt.

„Ich meine, dass die Ultraschalldiagnostik des Thorax auf keinen Fall in der Diagnostik von Lungen- und Thoraxerkrankungen vergessen werden darf und einen festen Stellenwert nicht nur in der Diagnostik des Pleuraergusses besitzt“, schreibt Dr. med. Jörg-Carsten Kämmer, Leiter des Arbeitskreises Thoraxsonografie der DEGUM, in seinem hier erschienenen Leserbrief zur Übersichtsarbeit.

„Die transkutane Thoraxsonografie ist in der Detektion eines Pleuraergusses aussagekräftiger als die aufgeführten Methoden“, begründet der Experte und führt weitere Vorteile der Sonografie, unter anderem auch bei peripheren thoraxwandständigen Lungen- und Pleuraerkrankungen, auf. Generell sei die Intensiv- und Notfallmedizin ohne Ultraschalldiagnostik nicht mehr vorstellbar. Außerdem empfehle der Bundesverband der Pneumologen bei Kindern primär den Einsatz von Ultraschall am Thorax.

„Bei der Diagnostik von Lungenerkrankungen ist die Beurteilung von Befallsmuster, Lokalisation und regionaler Verteilung eine Domäne der Radiologie“, hatten die Autoren Mark O. Wielpütz, Claus P. Heußel, Felix J.F. Herthund Hans-Ulrich Kauczor in ihrem Artikel geschrieben. Im Folgenden erörterten sie „[…] etablierte und empfohlene wie neu eingeführte radiologische Techniken, die in ihrer Versorgung der wichtigsten Lungenerkrankungen angewendet werden, mit ihren Vor- und Nachteilen, Häufigkeit, Vergütung und Strahlenexposition […].“

In ihrem Schlusswort bestätigen die Autoren als Reaktion auf den Leserbrief grundsätzlich Dr. Kämmers Argumente: „Die Sonographie des Thorax ist eine wichtige Option für die bildgebende Diagnostik von Pleura- und Lungenerkrankungen und musste wegen der Begrenzung des Artikelumfangs unberücksichtigt bleiben.“ Vorteile der Sonographie seien offensichtlich und primäre Indikationen unstrittig, so etwa Pleuraerkrankungen, insbesondere der Erguss, Dynamik, aber auch der Pneumothorax und thoraxwandständige Prozesse. „Hier zeigen Sonographie und MRT gegenüber der CT ähnliche Vorteile, […]“. Die Autoren sehen allerdings auch Einschränkungen: So gelinge bei der Erstdiagnostik von Pneumonie oder Lungenembolie keine Ausschlussdiagnostik mithilfe des Ultraschalls. Außerdem seien insgesamt Charakteristika wie Untersucherabhängigkeit, besondere Herausforderungen an eine nachvollziehbare Dokumentation und der Zeitaufwand für eine Untersuchung des gesamten Thorax zu beachten. Außerdem sei die Ausbildung in der Thoraxsonografie nicht allgemein verfügbar. „In der Gesamtschau sollte die Sonographie bei vorhandener Expertise im indikationsbezogenen diagnostischen Algorithmus frühzeitig eingesetzt werden, um weiterführende Verfahren entweder zu vermeiden oder gezielt und somit personalisiert zu indizieren“, ziehen die Autoren als Resümee.

„Die mangelnde Ausbildung von Ärzten im Bereich des Ultraschalls können wir nicht als Argument gegen den Einsatz dieser aussagekräftigen, für den Patienten schonenden und wohlgemerkt kostensparenden Methode gelten lassen“, kommentiert DEGUM-Vorstandsmitglied Professor Dr. med. Volker Keim, Leiter der interdisziplinären zentralen Ultraschalleinheit der Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig ÄoR. Die DEGUM setze sich daher für die umfassende Aus- und Weiterbildung von Ärzten im Bereich der Ultraschalldiagnostik ein.


Quellen:

*Wielpütz MO, Heußel CP, Herth FJF, Kauczor HU: Radiological diagnosis in lung disease—factoring treatment options into the choice of diagnostic modality. DtschArzteblInt 2014; 111(11): 181–7. DOI: 10.3238/arztebl.2014.0181

*DtschArzteblInt 2014, 111(21):376. DOI: 10.3238/aerztebl.20140376a
*DtschArzteblInt 2014, 111(21):376. DOI: 10.3238/aerztebl.20140376b

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