27.11.2013 15:17 | DEGUM Aktuell, Pressemitteilungen 2013

Verletzungen im Sport: Ultraschall liefert erste Diagnose

Tragbare Ultraschallgeräte werden in der Sportmedizin immer wichtiger


Der Einsatz tragbarer Ultraschall-Geräte bei sportlichen Wettkämpfen, die Fortschritte ultraschallgezielter Interventionen in der Krebsdiagnostik und -behandlung und die Fehlbildungsdiagnostik beim Ungeborenen waren die Themen der Kongress-Pressekonferenz im Rahmen des 37. Dreiländertreffens der DEGUM, ÖGUM und SGUM, die am 10. Oktober 2013, im Internationalen Congresscenter Stuttgart stattfand. Unter anderem nahmen Journalisten der „Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten“, des Online-Portals „MedScape“ und der Fachzeitschrift „Neuropediatrics“ daran teil. Der Kongress „Ultraschall-Euroson 2013“ richtete sich unter dem Motto „Science and Education“ vor allem an Ärzte und europäische Wissenschaftler, die Sonografie in der Humanmedizin anwenden. Rund 2.000 Teilnehmer aus ganz Europa reisten dazu in die Hauptstadt Baden-Württembergs.

Ansprechpartner für die Medien waren Kongress-Präsident Professor Dr. med. Andreas Schuler, DEGUM-Vorstand, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Medizinische Klinik, Alb Fils Kliniken, Helfenstein Klinik Geislingen, Professorin Dr. med. Annegret Geipel, Vorstandsmitglied DEGUM, Leitung Pränatale Medizin Abteilung für Geburtshilfe und Pränatale Medizin, Universitätsklinikum Bonn, Professorin Dr. med. Andrea S. Klauser, Leitende Oberärztin der Universitätsklinik für Radiologie, Medizinische Universität Innsbruck und Professor Dr. med. Klaus Schlottmann, Internist, Gastroenterologie, Chefarzt Med. Klinik Katharinenhospital Unna, Leiter Arbeitskreis Interventionelle Sonografie DEGUM.

 Medizinischer Ultraschall ist sehr vielfältig: Er kommt in quasi allen Fächern zum Einsatz: Innere Medizin, Chirurgie, Neurologie, Urologie, Frauen- und Kinderheilkunde, Dermatologie und sogar in der Tiermedizin. Methoden und Geräte entwickeln sich schnell weiter, wie Kongresspräsident Professor Schuler den Journalisten die Vorteile der Sonografie erläuterte. Um Ultraschallanwender auf all diesen verschiedenen Gebieten fortzubilden, findet jährlich das Dreiländertreffen der DEGUM, ÖGUM und SGUM statt, dieses Jahr gemeinsam mit dem 25. Euroson Kongress der European Federation of Societies for Ultrasound in Medicine and Biology (EFSUMB), zu dem Teilnehmer aus ganz Europa anreisten.

 Klare Fortschritte seien vor allem hinsichtlich ultraschallgezielter Interventionen bei Leberkrebs zu verzeichnen: Etwa 7500 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr neu daran. Ultraschall kommt als bildgebendes Verfahren bei der Diagnose, neuerdings aber auch therapeutisch zum Einsatz. Die Diagnose größerer Lebertumoren mittels Ultraschall ist Standard. Vor allem zur regelmäßigen Überwachung bei Hochrisikogruppen und zur Charakterisierung mittels Ultraschallkontrastmittel komme dem qualitätsgesicherten Ultraschall in der im Juni 2013 veröffentlichten S3-Leitlinie HCC jedoch eine besondere Bedeutung zu. „Neben der besonderen Geräteausstattung spielt die Qualifikation und Erfahrung des Untersuchers eine herausragende Rolle. Dies wird jetzt erstmals in der Leitlinie besonders berücksichtigt“, so Professor Schuler. In der Krebstherapie ist das Verfahren aber vergleichsweise neu. „Dennoch ist bei vielen minimalinvasiven Eingriffen die sonografische Kontrolle mittlerweile unabdingbar“, betonte Professor Dr. med. Klaus Schlottmann vom Katharinen-Hospital in Unna. Am Bildschirm verfolge der Arzt mittels Ultraschall in Echtzeit den Weg der Nadel bis zur erkrankten Region. Dort angekommen injiziert er das Medikament in den Tumor oder erhitzt die Krebszellen, damit diese absterben. „Die sonografische Überwachung gewährleistet, dass wir unser Ziel punktgenau treffen und benachbartes, gesundes Gewebe nicht verletzen“, erläuterte Schlottmann. „Die neue S3-Leitlinie zur Behandlung von Leberkrebs misst dem interventionellen Ultraschall einen völlig neuen Stellenwert bei“, sagte Professor Schuler. „Bei kleinen Tumoren ist die ultraschallgezielte Therapie bezüglich der lokalen Radikalität der Operation gleichwertig, aber weit weniger belastend und hilft Patienten und Ärzten, die Wartezeit auf ein Spenderorgan zu überbrücken“. Dieses Verfahren werde inzwischen auch in mehreren Leberzentren Südwestdeutschlands erfolgreich eingesetzt.

Ein großer Themenschwerpunkt der jährlichen Dreiländertreffen ist die Fehlbildungsdiagnostik beim Ungeborenen. „Hierzu bieten wir dieses Jahr neben Vorträgen und Workshops auch praktische Ultraschallübungen im ‚pränatalen Ultraschall-Lernzentrum‘ an“, so Professor Schuler. Nach den neuen Mutterschaftsrichtlinien haben Schwangere zwischen der 19. und 22. Woche Anspruch auf eine „erweiterte“ Basis-Ultraschalluntersuchung. Dabei untersuchen Frauenärzte den Körper des Ungeborenen mittels Ultraschall umfassender auf Fehlbildungen. Dennoch bleibe Deutschland beim Schwangerschafts-Screening vom Umfang der Untersuchungen her hinter anderen europäischen Ländern zurück, kritisierten Professor Schuler und Professorin Geipel. „Denn eine weiterführende Organdiagnostik – auch ‚Feindiagnostik‘ genannt – ist nach den Mutterschaftsrichtlinien in Deutschland nur vorgesehen, wenn beim Basisultraschall Auffälliges entdeckt wird oder besondere Risiken vorliegen“, so die Leiterin Pränatale Medizin in der Abteilung für Geburtshilfe und Pränatale Medizin am Bonner Universitätsklinikum. Bei der Feindiagnostik untersucht ein Ultraschall-Spezialist zusätzlich auch Gesicht, Extremitäten, Nieren und das Herz im Detail. „Da das Spektrum der angeborenen Fehlbildungen groß ist und diese sehr selten sind, sind die meisten Frauenärzte damit nicht vertraut“, bemängelte Professorin Geipel.

In der Sportmedizin wird der Einsatz tragbarer Ultraschall-Systeme immer wichtiger: Das bildgebende Verfahren kommt unter anderem bei Fußballspielen, Radrennen oder Lauf-Wettkämpfen zur ersten Notfalldiagnostik zum Einsatz. „Vorteile tragbarer Ultraschallgeräte sind ihre flexiblen Einsatzmöglichkeiten, ihre Mobilität sowie ihre immer kompaktere Größe: Sie sind neuerdings kaum größer als ein Tablet-PC “, sagte Professor Schuler im Rahmen der Pressekonferenz. Professorin Andrea Klauser nannte weitere Vorteile: „Sportler können noch während der Sportveranstaltung zügig untersucht und bei Bedarf vor Ort umgehend sporttherapeutisch behandelt werden, ohne dass der Sportler in eine Praxis oder Klinik transportiert werden muss.“ Fußball etwa zähle zu den Sportarten mit dem höchsten Verletzungsrisiko. Fällt ein Spieler plötzlich verletzt auf den Rasen, ist schnelles Handeln angesagt: Sportmediziner müssen vor Ort so rasch wie möglich feststellen, wo genau die Verletzung vorliegt und ob Bänder, Sehnen oder sogar Knochen betroffen sind. Am häufigsten seien im Sport Muskelverletzungen. „90 Prozent aller Muskelverletzungen im Fußball betreffen die vier großen Muskelgruppen Hamstring, Adduktoren, Quadriceps, Gastrocnemicus“, erklärte Professorin Klauser. „Bei einem Team aus 25 Spielern bedeutet dies fünf Verletzungen pro Saison mit einer Ausfallzeit im Durchschnitt von 80 Tagen“. Die Hamstring-Verletzung auf der Rückseite des Oberschenkels sei dabei die häufigste im Profifußball: „Bei Muskelverletzungen ist die Sonografie für die schnelle Abgrenzung zwischen ‚Minor‘- und ‚Majorverletzung‘ unverzichtbar“.

Professorin Andrea Klauser wird als Kongresspräsidentin „Ultraschall 2014“, das 38. Dreiländertreffen der DEGUM, ÖGUM und SGUM, unter dem Motto „Wissen schafft Bildung – Forschung schafft Wissen“ vom 29. bis 31. Oktober 2014 in Innsbruck ausrichten. Weitere Informationen finden Interessierte auf der Internetplattform http://www.ultraschall2014.at .