05.06.2012 10:03 | DEGUM Aktuell, Pressemitteilungen 2012

Neue Leitlinie: Kontrastmittel verbessern Ultraschall-Untersuchungen

Diskurs über Nutzen kontrastmittelverstärkten Ultraschalls


Ärzte greifen bei Ultraschalluntersuchungen immer häufiger auf Kontrastmittel zurück. Dank der guten Bildqualität können die Mediziner die Durchblutung der Organe besser beurteilen und nach Unfällen innere Blutungen schneller erkennen. Anlässlich einer neuen europäischen Leitlinie, an der deutsche Experten entscheidend mitgewirkt haben, diskutieren Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) im Rahmen einer Pressekonferenz am 6. Juni über Nutzen und Grenzen des für den Patienten weitgehend risikolosen kontrastmittelverstärkten Ultraschalls, auch „CEUS“ genannt.

Kontrastmittel für Ultraschalluntersuchung bestehen aus mikroskopisch kleinen gasgefüllten Bläschen. Sie werden den Patienten als Suspension in die Vene gespritzt. Nach wenigen Sekunden erreichen die Bläschen die Organe und verstärken dort die Reflexionen des Ultraschalls. „Mit Hilfe dieses Verfahrens können wir die Durchblutung der Organe und ihre Struktur sehr viel präziser erkennen“, erläutert DEGUM Vizepräsident Professor Dieter Nürnberg, Chefarzt der Medizinischen Klinik B der Ruppiner Kliniken, Neuruppin.

Während Kontrastmittel ursprünglich vor allem bei Untersuchungen der Leber zum Einsatz kamen, hat sich das Anwendungsgebiet in den letzten Jahren stark ausgeweitet. Heute nutzen Ärzte CEUS bei Erkrankungen fast aller Organsysteme. „Der Einsatz von Kontrastmitteln hilft nicht nur bei Erkrankungen, die mit Durchblutungsstörungen einhergehen“, erklärt Nürnberg. „Auch Tumoren, die eigene Blutgefäße ausbilden, werden besser erkannt. Und nach Unfällen können wir dank des Kontrastmittels besser beurteilen, ob es zu inneren Blutungen gekommen ist“.

Aufgrund des rasant wachsenden Anwendungsspektrums hat die European Federation of Societies for Ultrasound in Medicine and Biology (EFSUMB), zu der sich Fach-gesellschaften aus heute 28 Ländern zusammengeschlossen haben, unter maßgeblicher deutscher Beteiligung ihre Leitlinie nach kurzer Zeit zum zweiten Mal aktualisiert. Nachdem 2004 die ersten Leitlinien veröffentlicht wurden, brachte die Vereinigung bereits 2008 ein Update heraus. CEUS sei als „revolutionäre Technik“ wahrgenommen und rasant weiterentwickelt worden, berichten die Autoren nun. Nach 2008 sei das Interesse sogar exponentiell gestiegen: Weit über die Hälfte aller wissenschaftlichen Studien zum Thema stammen aus den vergangenen vier Jahren.

Entscheidend für die Beliebtheit der Technik ist nicht zuletzt ihre Unschädlichkeit. So sind ein wichtiges Einsatzgebiet Erkrankungen von strahlenempfindlichen Organen wie dem Hoden. „Die Mikrobläschen zerplatzen schon bald, ohne dass der Patient etwas merkt. Die Bläschen sind ungiftig und werden komplett aufgelöst“, erklärt Nürnberg. Im Gegensatz zu den jodhaltigen Röntgenkontrastmitteln seien keine Störungen der Schilddrüse oder Allergien zu befürchten.

Nierenschäden, wie sie durch den Einsatz von Kontrastmitteln für die Kernspintomografie ausgelöst würden, seien ebenfalls nicht beobachtet worden. Das einzige Risiko stelle die Anwendung bei schwer herzkranken Patienten dar.

Wie generell bei Ultraschalluntersuchungen hängt der Erfolg einer CEUS-Diagnostik auch von der Erfahrung des Arztes ab. Da das Kontrastmittel die Gewebe relativ schnell passiert, ist ein spezielles Training erforderlich. Die Leitlinie fordert, dass die Ärzte Level II im dreistufigen DEGUM Qualitätssystem für Ultraschall-Untersucher erreicht haben sollten. „Kontrastmittel kommen nur in der spezialisierten Diagnostik in Kliniken und Praxen und nicht für die Basisdiagnostik beim Hausarzt zum Einsatz“, berichtet Nürnberg. Die DEGUM bietet Ärzten spezielle Kurse an und überwacht durch eine Zertifizierung die Qualität ihrer Mitglieder.

Auf der DEGUM Pressekonferenz am 6. Juni in Berlin diskutieren Experten unter anderem über den Einsatz von CEUS in der Krebs- und Gefäßdiagnostik.

Im Internet:
DEGUM http://www.degum.de
EFSUMB http://www.efsumb.org/intro/home.asp
Leitlinie http://www.efsumb.org/asp/detail00.asp?ref=280&url=/intro/home.asp?ref=1

Download Pressemitteilung