Der DEGUM-Vorstand im Interview

PD Dr. med Kai-Sven Heling

PD Dr. med Kai-Sven Heling

Kai-Sven Heling ist künftiger Präsident der DEGUM (2016 bis 2018) und leitet eine Praxis für Pränatalmedizin in Berlin. Seit zwei Jahren ist er DEGUM-Vorstandsmitglied und setzt sich seither insbesondere für die Ultraschall-Ausbildung ein. Einen besonderen Fokus legt er auf die berufspolitische Positionierung der DEGUM.

  1. Wir holen Sie ganz am Anfang ab: Wann haben Sie sich für die DEGUM entschieden und was hat Sie dazu motiviert?
    Meine berufliche Laufbahn begann mit dem Ultraschall in der Pränataldiagnostik der Charité. Es war daher naheliegend, Mitglied der DEGUM zu werden, 1996 bin ich dann der Fachgesellschaft beigetreten. Das Konzept der interdisziplinären Gesellschaft hatte mich überzeugt, und meine ersten wissenschaftlichen Vorträge habe ich auch dort gehalten.
  2. Welche persönlichen Ideen/Visionen haben Sie in das Vorstandsamt gebracht?
    Ich bin der persönlichen Überzeugung, dass man auch Verantwortung übernehmen muss. Da der Ultraschall den Hauptteil meiner täglichen und auch wissenschaftlichen Arbeit ausmacht, möchte ich dies aktiv gestalten. Hier liegt mir insbesondere die Ausbildung am Herzen.
  3. Wie haben Sie ihre Amtszeit erlebt, welches Fazit ziehen sie daraus?
    Die Zusammenarbeit im Vorstand hat sich als sehr harmonisch und konstruktiv erwiesen. Man hat immer den Eindruck, dass alle am gleichen Strang ziehen und die Interessen der Fachgesellschaft oben angestellt werden. Es ist wichtig, und ein Verdienst des derzeitigen Präsidenten, Dirk Becker, eine solche Atmosphäre geschaffen zu haben.
  4. Worin sehen Sie aktuell die größten gesundheitspolitischen Herausforderungen für die DEGUM?
    Ich denke, die DEGUM wird sich künftig nicht mehr nur wissenschaftlich, sondern auch berufspolitisch positionieren müssen. Dies ist insbesondere deshalb wichtig, damit wir weiterhin den Stellenwert des Ultraschalls in der Medizin gut abbilden können.
  5. Wie schätzen Sie die zukünftige Bedeutung des Ultraschalls in der Medizin ein?
    Enorm wichtig! Es ist eine Methode, die immer verfügbar ist und die Bildauflösung nimmt weiter zu. Auf der anderen Seite ist die Ausbildung mitunter nicht so, wie wir es uns wünschen:  Der Untersucher selbst  diskreditiert mitunter den Ultraschall gegenüber anderen bildgebenden Verfahren wie MRT und ähnlichen Methoden. Das Potential des Ultraschalls wird daher in der Praxis meist weiterhin unterschätzt. Die Wunderwelt des Lebens im Uterus, dargestellt durch mittlerweile hochsensible Ultraschallgeräte, fasziniert mich jeden Tag neu.
  6. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich derzeit im klinischen Alltag/der klinischen Forschung?
    Mich interessieren insbesondere die frühe fetale Echokardiografie, die fetale Neurosonografie, die fetale Lunge, die 3D-Sonographie und die Prognoseeinschätzung von Fehlbildungen.
  7. Wann hatten Sie zum ersten Mal einen Schallkopf in der Hand? Was hat sich seitdem verändert?
    Ich hielt das erste Mal 1989 als Student im Rahmen meiner damaligen Diplomarbeit den Schallkopf in der Hand. Die Bedienbarkeit der Geräte ist deutlich einfacher geworden. Die Bilder sind selbsterklärend.

Professor Dr. Dr. h.c. Wolf Mann

Professor Dr. Dr. h.c. Wolf Mann

Wolf Mann ist Vizepräsident der DEGUM und leitender HNO-Arzt der Römerwall-Klinik in Mainz. Er gehört zu den frühesten Mitgliedern der Fachgesellschaft und ist bereits das zweite Mal im DEGUM-Vorstand. Eine besondere Herausforderung für die DEGUM sieht er darin, den Stellenwert des Ultraschalls öffentlich klarer darzustellen und von anderen Methoden im Positiven wie Negativen besser abzuheben. 

  1. Wir holen Sie ganz am Anfang ab: Wann haben Sie sich für die DEGUM entschieden?
    Bereits vor Gründung der DEGUM war ich seit 1973/74 Mitglied in der AGM Ultraschall.
  2. Welche persönlichen Ideen/Visionen haben Sie in das Vorstandsamt gebracht?
    Ich war bereits früher im Vorstand der DEGUM und nach einer gewissen Unruhephase in der Fachgesellschaft erschien es sinnvoll, einen „alten Hasen" zur Mitarbeit im Vorstand zu reaktivieren.
  3. Welche Punkte nehmen Sie eventuell noch in Angriff, bevor Ihr derzeitiges Amt im Vorstand im Herbst endet?
    Ein mir wichtiger letzter Punkt ist vor allem, dass das 40. Dreiländertreffen in Leipzig ein wissenschaftlicher und finanzieller Erfolg für die DEGUM wird.
  4. Wie haben Sie ihre Amtszeit erlebt, welches Fazit ziehen sie daraus und welche Erfahrungen können Sie gegebenenfalls an Ihre Nachfolger weitergeben?
    Der jetzige Vorstand hat richtige und zukunftweisende Entscheidungen vorbereitet und getroffen. Ich sehe damit meine befristete Aufgabe als erledigt an.
  5. Worin sehen Sie aktuell die größten gesundheitspolitischen Herausforderungen für die DEGUM?
    Es ist derzeit sehr wichtig, den Stellenwert dieser Untersuchungsmethode stets öffentlich darzustellen und für eine sachgerechte Abbildung im Erlössektor einzutreten. Gleichzeitig müssen unbedingt die Untersuchungsqualität sowie die Ausbildung der Untersucher sichergestellt werden.
  6. Wie schätzen Sie die zukünftige Bedeutung des Ultraschalls in der Medizin ein?
    Die Methode hat ihre Stärken aber auch ihre Limitierungen, die beide klarer im Kanon der bildgebenden Verfahren dargestellt werden müssen.
  7. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich derzeit im klinischen Alltag/der klinischen Forschung?
    Mein derzeitiger Schwerpunkt liegt in der Weiterbildung von Fachärzten und in der Patientenversorgung.
  8. Wann hatten Sie zum ersten Mal einen Schallkopf in der Hand? Was hat sich seitdem verändert?
    Erstmals hatte ich 1973 Kontakt zum Ultraschallgerät. Gegenüber der damaligen Zeit haben Ultraschallgeräte eine nie geahnte technische Entwicklung vollzogen.

Professor Dr. med. Peter Kozlowski

Professor Dr. med. Peter Kozlowski

Peter Kozlowski ist Gründungspartner der fachübergreifenden ärztlichen Partnerschaftsgesellschaft von Frauenärzten und Humangenetikern  praenatal.de, Praenatal-Medizin und Genetik Düsseldorf. Der Gynäkologe sieht in der adäquaten Bewertung der Ultraschalldiagnostik sowie in der qualifizierten Nachwuchsausbildung die derzeit größten Herausforderungen für die DEGUM.

  1. Wir holen Sie ganz am Anfang ab: Wann haben Sie sich für die DEGUM entschieden und was hat Sie dazu motiviert?
    DEGUM Mitglied bin ich seit 1985 und somit eines der frühen Mitglieder. Meine Motivation war vor allem die Freude frühzeitig aktiv in einer der ersten medizinischen Ultraschallfachgesellschaften mitarbeiten zu können.
  2. Welche persönlichen Ideen/Visionen haben Sie in das Vorstandsamt gebracht?
    Zum Zeitpunkt der letzten Vorstandswahlen schien es mir besonders wichtig, ein angesehenes und hoch bewertetes wissenschaftliches Publikationsorgan zu erhalten und die entstandenen Irritationen zu beenden. Ferner war und ist es mir ein großes Anliegen die gesunde wirtschaftliche Basis der DEGUM zu erhalten.
  3. Welche Punkte nehmen Sie evtl. noch in Angriff, bevor Ihr derzeitiges Amt im Vorstand im Herbst endet?
    Derzeit konzentrieren wir die Kräfte auf die erfolgreiche Gestaltung des Dreiländertreffens 2016 in Leipzig, eine verstärkte Forschungsförderung durch die DEGUM und eine intensive Öffentlichkeitsarbeit.
  4. Wie haben Sie ihre Amtszeit erlebt, welches Fazit ziehen sie daraus und welche Erfahrungen können Sie an Ihre Nachfolger evtl. weitergeben?
    Eine besonders gute Erfahrung war die harmonische und konstruktive Arbeit innerhalb des Vorstands. Auch unterschiedliche Auffassungen können im konstruktiven Gespräch bearbeitet werden.
  5. Worin sehen Sie aktuell die größten gesundheitspolitischen Herausforderungen für die DEGUM?
    Die größten gesundheitspolitischen Herausforderungen liegen in der teils unzureichenden Bewertung der ärztlichen Leistung bei der Ultraschalldiagnostik sowie in der Sicherung einer qualifizierten Ausbildung des Nachwuchses.
  6. Wie schätzen Sie die zukünftige Bedeutung des Ultraschalls in der Medizin ein?
    Die Bedeutung wird durch Hochfrequenztechnologien und Gewebsstrukturanalysen weiter zunehmen.
  7. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich derzeit im klinischen Alltag/der klinischen Forschung?
    In meinem Bereich der Pränatalmedizin liegt der Schwerpunkt bei einer immer differenzierteren Untersuchung der fetalen Morphologie in frühen Schwangerschaftswochen.
  8. Wann hatten Sie zum ersten Mal einen Schallkopf in der Hand? Was hat sich seitdem verändert?
    Mein erster Kontakt mit der Ultraschalldiagnostik war vor vierzig Jahren, damals als studentischer Mitarbeiter beim Aufbau der Ultraschalldiagnostik an der Universitätsfrauenklinik Düsseldorf. Die Veränderungen entsprechen etwa denen zwischen den ersten Automobilen und einem Formel-1 Rennwagen.
Professor Dr. med. Peter Jecker

Professor Dr. med. Peter Jecker

Peter Jecker hat während seiner Vorstandszeit durchweg positive Erfahrungen gesammelt und durch das Amt nicht nur neue freundschaftliche Kontakte knüpfen können. Er nimmt auch neue Erkenntnisse mit in seine tägliche Arbeit als Chefarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Plastische Kopf-Hals-Chirurgie am Klinikum Bad Salzungen.

  1. Wir holen Sie ganz am Anfang ab: Wann haben Sie sich für die DEGUM entschieden und was hat Sie dazu motiviert?
    In die DEGUM bin ich zu Beginn meiner Zeit als Assistenzarzt eingetreten. Wir waren damals in Hamburg eine der wenigen Kliniken in Deutschland, die intensiv Kopf-Hals-Ultraschall betrieben und ausgebildet haben. So kam ich dann auch mit der DEGUM in Kontakt und sah hier eine gute Möglichkeit, mich für den Ultraschall in meinem Fachgebiet zu qualifizieren und später als Kursleiter meine Kenntnisse über den Ultraschall weiterzugeben.
  2. Welche persönlichen Ideen/Visionen haben Sie in das Vorstandsamt gebracht?
    Wie so vieles im Leben hat mich eher der Zufall in dieses Amt gebracht. Als der damalige Vorstand 2014 geschlossen die Ämter niedergelegt hat, wurde ich gefragt ob ich bereit wäre, ein Amt zu übernehmen. Aufgrund meiner bis dahin durchweg positiven Erfahrungen in der DEGUM habe ich die Aufgabe gerne angenommen und dies bis heute nicht bereut. Eine Idee oder Vision hatte ich nicht. Genaugenommen wusste ich ja gar nicht so richtig, was mich erwartet.
  3. Welche Punkte nehmen Sie evtl. noch in Angriff, bevor Ihr derzeitiges Amt im Vorstand im Herbst endet?
    Bis zur nächsten Mitgliederversammlung in Herbst in Leipzig gibt es noch einige Dinge, die erledigt werden müssen. So müssen noch die diesjährigen Preisträger des Wissenschafts- und Promotionspreises auf der Basis der Begutachtungen, die derzeit freundlicherweise von erfahrenen DEGUM-Ultraschallern erstellt werden, bestimmt werden. Außerdem befinden sich noch verschiedene Anträge in der Begutachtungphase, über deren Förderung in Kürze zu entscheiden ist. Hinzu kommen natürlich noch andere „Baustellen“, wie beispielsweise das anstehende Dreiländertreffen in Leipzig, wo immer wieder Rückfragen an den Vorstand eingehen oder auch schon erste Planungen für zukünftige Treffen wie 2019 oder 2022.
  4. Wie haben Sie ihre Amtszeit erlebt, welches Fazit ziehen sie daraus und welche Erfahrungen können Sie an Ihre Nachfolger evtl. weitergeben?
    Ich kann eigentlich nur Positives von meiner bisherigen Zeit im Vorstand der DEGUM mitnehmen. Anfangs musste ich logischerweise einige Zeit investieren, um mich in die Aufgaben einzuarbeiten. Dabei konnte ich allerdings immer auf die hervorragende Unterstützung der Mitarbeiter der Geschäftsstellen zählen, so dass die anfallende Arbeit schnell zur Routine wurde. Ich habe durch die Arbeit im Vorstand auch viele neue freundschaftliche Kontakte knüpfen können, was für mich eine persönliche Bereicherung darstellt. Und letztendlich sehe ich heute den Ultraschall nicht mehr nur aus meinem kleinen fachlichen Blickwinkel, sondern ich habe viele neue Dinge kennengelernt, die ich zum Teil vielleicht in Zukunft auch in meiner täglichen Routine einsetzen kann.
    Deshalb kann ich anderen Mitgliedern nur empfehlen, sich in Zukunft in der DEGUM zu engagieren. Mit ein wenig persönlichem Einsatz, einem gesunden Maß an Gelassenheit und einem offenen Ohr für die Belange der Mitglieder und der Mitarbeiter kann man die Arbeit im Vorstand gut erledigen.
  5. Worin sehen Sie aktuell die größten gesundheitspolitischen Herausforderungen für die DEGUM?
    Meines Erachtens nach erfährt der Ultraschall vielerorts eine zu geringe Wertschätzung im Vergleich zu anderen bildgebenden Verfahren. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, den Ultraschall in Zeiten, wo die Mittel überall gekürzt werden, besser im Gesundheitssystem abzubilden.
  6. Wie schätzen Sie die zukünftige Bedeutung des Ultraschalls in der Medizin ein?
    Ich denke, dass die Bedeutung des Ultraschalls in der Medizin in den kommenden Jahren weiter zunimmt. Gerade in meinem Fachgebiet der Kopf-Halschirurgie sehe ich eine steigende Teilnehmerzahl in den Kursen, die wir jährlich veranstalten. Das ist für mich ein Indiz dafür, dass bei den jungen Ärzten großes Interesse am Erlernen des Ultraschalls besteht und weckt in mir die Hoffnung, dass zukünftig die Zahl der Ultraschallanwender weiter zunimmt.
  7. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich derzeit im klinischen Alltag/der klinischen Forschung?
    Was den Ultraschall betrifft, so beschäftigen wir uns derzeit mit der Fragestellung, was wir von der Elastografie im Kopf-Halsbereich erwarten können. Ansonsten bearbeiten wir in unserer Abteilung andere klinisch relevanten Thematiken, die aber mit dem Ultraschall weniger zu tun haben.
  8. Wann hatten Sie zum ersten Mal einen Schallkopf in der Hand? Was hat sich seitdem verändert?
    Mit der B-Scan Sonographie wurde ich erstmals im Rahmen einer Famulatur in der Inneren Medizin konfrontiert. Damals sah ich sogar einen Gallenstein, was mich mit Stolz erfüllte. Mittlerweile ist der Ultraschall natürlich nicht mehr mit den damaligen Verhältnissen zu vergleichen. Mal abgesehen davon, dass ich danach nie wieder Gallensteine geschallt habe, sehen wir heute mit der modernen Technik so unglaublich viele Details in der Ultraschalluntersuchung, dass wir unseren Patienten nach kürzester Zeit eine Diagnose mitteilen können und in der Lage sind, eine adäquate Therapie zu planen. Hier denke ich beispielsweise an die Fortschritte in der Lymphknotendiagnostik, die uns heute innerhalb kürzester Zeit erlaubt, gutartige von bösartigen Knoten zu unterscheiden.