Rheuma-Schäden frühzeitig erkennen

23.07.2013 | Pressemitteilungen 2013

Ultraschall macht Entzündungen an Gelenken sichtbar

In Deutschland leiden etwa 1,5 Millionen Menschen an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen – das entspricht etwa zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Hinzu kommen etwa 15 000 Kinder und Jugendliche, die an Rheuma erkrankt sind. Mit geeigneten Ultraschallgeräten können Ärzte – ohne Strahlenbelastung für den Patienten – die verschiedenen Manifestationsformen entzündlich-rheumatischer Erkrankungen bereits im Anfangsstadium diagnostizieren. Bei Verdacht auf eine Rheuma-Erkrankung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) den Gelenkultraschall als erstes bildgebendes Verfahren einzusetzen.

Die Rheumatoide Arthritis beginnt häufig an den kleinen Gelenken von Händen und Füßen. Die Entzündung der Gelenkhaut und die Schäden am Gelenkknorpel waren früher im Ultraschall nur bei ausgeprägten Befunden sichtbar: „In den letzten Jahren hat es hier jedoch enorme technische Fortschritte gegeben“, berichtet Dr. med. Wolfgang Hartung, Leitender Oberarzt am Asklepios Klinikum Bad Abbach und stellvertretender Leiter des DEGUM-Arbeitskreises Bewegungsorgane. „Innerhalb von nur zehn Jahren wurde das Auflösungsvermögen von 0,7 Millimeter auf unter 0,15 Millimeter verbessert“, fügt der Rheuma-Experte hinzu. „Damit erkennen wir selbst in den Fingergrundgelenken frühzeitig kleinste Defekte im Gelenkknorpel und Knochen.“ Mittels Power-Doppler-Sonografie beurteilen Mediziner heute zudem die Durchblutung in der Gelenkhaut. Entzündete Gewebe sind häufig stärker durchblutet. 

Neben der Rheumatoiden Arthritis nutzen Ärzte den Ultraschall auch zur Diagnose anderer rheumatischer Erkrankungen. So können sie etwa Entzündungen am Ansatz der Sehnen erkennen. Diese treten häufig beim Morbus Bechterew und anderen Erkrankungen im Bereich der Wirbelsäule auf. Auch Blutgefäße können vom Rheuma befallen sein. Besonders gefürchtet ist eine solche „Vaskulitis“ im Bereich der Schläfenarterie. „Ist dieses Gefäß betroffen, ist die Blutversorgung der Augen gefährdet, was zur Erblindung führen kann“, erklärt Hartung. Früher musste zur Diagnose eine Gewebeprobe aus der Schläfe entnommen werden. Mittlerweile vertrauen Rheuma-Experten auf eine Ultraschalluntersuchung, um ihre Therapieentscheidungen zu begründen.

Die DEGUM empfiehlt bei Verdacht auf eine Rheumatoide Arthritis, den Gelenkultraschall als erstes bildgebendes Verfahren einzusetzen. „Vielen Patienten bleibt dadurch eine unnötige Strahlenbelastung durch andere bildgebende Verfahren erspart“, erklärt Hartung. Wenn auch das konventionelle Röntgen durch den Ultraschall nicht ersetzt werden kann, so bietet der Ultraschall gerade bei der Frühdiagnostik einer Arthritis entscheidende Vorteile gegenüber dem konventionellen Röntgen und macht teure Untersuchungsmethoden wie die Kernspintomografie (MRT) oder auch die Computertomografie oft überflüssig, so der Experte. 

Nach einer Rheuma-Diagnose sind zur Verlaufskontrolle jährliche Untersuchungen notwendig. Sie werden üblicherweise mit dem konventionellen Röntgen durchgeführt. Doch gerade wenn sich die Erkrankung durch einen Schub verschlechtert oder die Mediziner den Erfolg einer Therapie beurteilen möchten, ist auch der Ultraschall für die Verlaufskontrolle sinnvoll. „Da die Arthrosonografie unbedenklich und zudem kostengünstig ist, kann sie jederzeit auch „zwischendurch“ durchgeführt werden“, betont DEGUM-Experte Hartung. Qualifizierte Ärzte finden Interessierte auf der Homepage der DEGUM: www.degum.de.
 
 
Literatur:
Sonographie in der Rheumatologie. Was gibt es Neues?
W. Hartung, W.A. Schmidt: Zeitschrift für Rheumatologie 2013; 72: 119–128

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