Gelenkrheuma

11.03.2016 | Pressemitteilungen 2016

Körperliche Anstrengung am Vortag kann Ultraschalldiagnose erschweren

Eine Ultraschalluntersuchung der Gelenke sollte im Idealfall so viele Tage wie möglich nach der letzten körperlichen Überanstrengung durchgeführt werden. Darauf weisen Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) in der „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ hin. Ultraschalluntersuchungen spielen sowohl bei der Diagnostik als auch bei der Behandlung der Rheumatoiden Arthritis eine entscheidende Rolle: Sie ermöglichen es, frühzeitig entzündliche Prozesse an Gelenk und Knochen aufzudecken, und sie geben Hinweise darauf, welche Therapie die richtige ist.

„Beim Gelenkultraschall ist es wichtig, die Ergebnisse mit dem Patienten zu besprechen und zu erfragen, ob am Vortag intensiver Sport, Garten-  oder Hausarbeit gemacht wurde und dabei vor allem die Hände verstärkt eingesetzt wurden“, erklärt Professor Dr. med. Marina Backhaus, Chefärztin der Abteilung Innere Medizin – Rheumatologie und Klinische Immunologie an der Park-Klinik Weißensee in Berlin. Die DEGUM-Expertin verweist auf eine Studie aus Spanien: Die Wissenschaftler hatten bei Probanden, die sich am Vortag körperlich betätigten, deutlich häufiger Hinweise auf eine Gelenkinnenhautentzündung registriert als bei Kontrollpersonen. „Eine solche Synovitis, die sich im Ultraschall als Kapselanhebung zeigt, kann Folge einer rheumatischen Erkrankung sein, muss es aber nicht“, erklärt Backhaus. Manchmal sei die Ursache – wie bei einem Reizerguss im Kniegelenk – nur eine Überanstrengung oder Überreizung, so die Expertin. „Berichtet der Patient, dass er die Gelenke stark beansprucht hat, sollte man den Ultraschall gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen, an dem keine sportliche Aktivität am Vortrag durchgeführt wurde“, empfiehlt Backhaus.

Ultraschalluntersuchungen eignen sich sehr gut zur Frühdiagnostik rheumatischer Erkrankungen. Auf dem Bildschirm lassen sich selbst kleinste Defekte in Knorpel und Knochen der Hand- und Fingergelenke erkennen. Erfahrene Untersucher können dem Ultraschallbild zudem zuverlässige Hinweise auf entzündliche Aktivitäten entnehmen. Das ist vor allem auch bei Patienten mit einer bereits diagnostizierten Rheumatoiden Arthritis wichtig. „Nicht immer schätzen die Patienten die Krankheitsaktivität richtig ein“, erläutert Backhaus. „Natürlich würde ich eine Diagnose beziehungsweise eine Therapieentscheidung nie allein aufgrund des Ultraschallbefunds stellen. Dazu gehören immer auch ergänzende Untersuchungen“, so die Expertin. Die Sonografie sei aber ein wichtiger Baustein der Diagnostik, der es oftmals ermögliche, sich ein genaues Bild zu machen und den Therapieverlauf zu kontrollieren.

Neben dem gewöhnlichen B-Mode Ultraschall setzen Rheumatologen und Orthopäden dabei auch den Doppler-Ultraschall ein. Mit dieser Methode können die Ärzte vermehrte Gefäßbildungen in der Gelenkschleimhaut nachweisen und so einen sich anbahnenden rheumatischen Schub vorhersagen.

Insbesondere bei Patienten, bei denen sich Beschwerden wie Morgensteifigkeit, Müdigkeit oder Schmerzen dauerhaft oder vorübergehend abgeschwächt haben, kann dies wertvolle Erkenntnisse liefern. „Die Ergebnisse haben mitunter großen Einfluss auf die Wahl der Therapie“, erklärt Backhaus. Der Ultraschall erfülle vielfältige Aufgaben in der Rheumatologie, so die Expertin. Sie hebt hervor: „Für die Sonografie sind Qualifikation und Erfahrung des Untersuchers von entscheidender Bedeutung.“ Von der DEGUM zertifizierte Ärzte finden Patienten auf der Serviceseite der DEGUM-Homepage unter: www.degum.de .  

Literatur:
Ohrndorf, S., Backhaus, M.: Gelenk-Ultraschall bei rheumatoider Arthritis, in: Dtsch Med Wochenschr 2015, 140, S. 1223−1226, DOI 10.1055/s-0041-103783


Über die DEGUM:
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint rund 10 000 Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten, Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III.