Fehlbildungen beim Ungeborenen mittels Ultraschall erkennen

26.02.2010 | DEGUM Pressemitteilungen, Pressemitteilungen 2010

Das Risiko für angeborene Erkrankungen bei Neugeborenen steigt mit dem Alter der Mutter. Deshalb haben in Deutschland Schwangere ab 35 Jahren Anspruch auf eine Fruchtwasseruntersuchung, die mögliche erbliche Schäden schon vor der Geburt offenlegt. Doch sie gefährdet auch Mutter und Kind. In vielen Fällen bietet das sogenannte Ersttrimester-Screening eine schonende Alternative: Dazu gehört neben einem Bluttest der Mutter eine Ultraschalluntersuchung des Kindes. Wie das Screening ungeborene Kinder schützen und die Früherkennung verbessern kann, ist ein Thema des 34. Dreiländertreffens der Deutschen, Österreichischen und Schweizer Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin. „Ultraschall 2010“ findet vom 20. bis 23. Oktober im Congress Centrum Mainz statt.

Ein Viertel der werdenden Mütter sind hierzulande 35 Jahre und älter. Anfang der 70er Jahre waren es nur etwa fünf Prozent. Mit zunehmendem Alter der Mutter steigt auch das Risiko für Chromosomenstörungen beim Fetus. Die bekannteste ist die Trisomie 21, auch Down-Syndrom genannt. Da Frauen heute immer später Mutter werden, gibt es immer mehr sogenannte Risikoschwangerschaften: Während das Kind einer 20-jährigen Schwangeren mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 0,2 Prozent eine Chromosomenstörung aufweist, liegt dieses Risiko bei einer 45-jährigen Schwangeren bereits bei etwa fünf Prozent.

Altersbedingt nehmen immer mehr werdende Mütter eine umfassende Früherkennung in Anspruch. Denn durch Entnahme von Fruchtwasser oder Gewebe können Ärzte angeborene Erkrankungen wie Chromosomenstörungen des Fetus erkennen. Doch diese Untersuchungen, Amniozentese und Biopsie, bergen Risiken: Infektionen, Blasensprünge bis hin zu Blutungen aus der Plazenta. In etwa 0,5 Prozent der Fälle kommt es zu einer Fehlgeburt – das Kind stirbt. „Die Zahl der Fruchtwasseruntersuchungen und Biopsien sollte deshalb nicht unnötig steigen“, sagt Tagungspräsident Professor Dr. med. Eberhard Merz, Direktor der Frauenklinik am Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am Main. „Stattdessen müssen wir versuchen, Risiko-schwangerschaften schonend abzuklären“, so der Gynäkologe.

Das Ersttrimester-Screening zwischen Schwangerschaftswoche 11 und 14 kalkuliert mit hoher Genauigkeit das individuelle Risiko für Chromosomenstörungen und andere angeborene Erkrankungen des Fetus, ohne das ungeborene Kind zu gefährden. Im Mittelpunkt steht dabei eine Ultraschalluntersuchung mit Messung der sogenannten Nackentransparenz. Dieser Wert gibt Hinweise auf mögliche Fehlbildungen des Kindes.

Zur Berechung des Risikos berücksichtigen Ärzte außerdem das Alter und bestimmte Hormonwerte der Mutter. Weitere Parameter wie beispielsweise eine Ultraschallmessung des kindlichen Nasenbeins können in die Risikoberechnung einfließen. „Diagnostisch kann das Screening die Amniozentese zwar nicht ersetzen“, erläutert Professor Merz, „doch allein dadurch, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit Chromosomenschäden ausschließt, rettet es Ungeborenen das Leben, da diese Mütter vielfach auf eine Fruchtwasseruntersuchung verzichten“. Die Erkennungsrate von angeborenen Erkrankungen und Fehlbildungen liegt beim Ersttrimester-Screening bei etwa 90 Prozent.

Über Fortschritte der Fehlbildungsdiagnostik im ersten Drittel der Schwangerschaft mit Hilfe des Ultraschalls informiert Professor Merz im Rahmen der Kongress-Pressekonferenz der DEGUM am Donnerstag, den 21. Oktober 2010, im Congress Centrum Mainz. Umfassende Kongressinformationen sowie Fortbildungsbeiträge und Expertenpodcasts zu den Themen des 34. Dreiländertreffens sind unter www.ultraschall2010.de abrufbar.

 

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