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Anwendung des Ultraschalls in der Kopf-Hals-Diagnostik

Der bei weitem größte Anteil der Ultraschalluntersuchungen im Kopf-Hals-Bereich entfällt auf die sonographische Beurteilung der Halsweichteile. Fragestellungen an die Ultraschalluntersuchung sind hierbei Schwellungen des Halses, Schluckbeschwerden sowie Vor- und Nachsorgeuntersuchungen im Rahmen von bösartigen Kopf-Hals-Erkrankungen.

Halslymphknotenmetastsen am Unterrand der Ohrspeicheldrüse (GP) in der Nähe des Kopfwendermuskels (MSCM)
Eine gutartige angeborene Veränderung ist die Halszyste (RF).

Onkologie

Mit einer steigenden Tendenz erkranken in Deutschland jährlich etwa 7 von 100.000 Einwohnern neu an einem Tumor im Kopf-Hals-Bereich. Bei Männern beträgt das Auftreten rund 6.3% aller Krebsneuerkrankungen und steht damit auf Platz 4 der Häufigkeitsverteilung aller bösartigen Erkrankungen.

Vorteil des Ultraschalls ist die schnelle Durchführbarkeit durch den behandelnden Arzt selber und das Fehlen von Strahlenbelastung. Ferner erübrigt sich die Gabe von Kontrastmitteln in über 90 Prozent der Fälle.

Die Therapieplanung erfolgt auf der Basis einer internationalen Klassifizierung des Tumors (TNM-System). Nach Erfragen der Krankengeschichte (Anamnese), dem klinisch/endoskopischen Befund, haben heute die modernen Ultraschall-Verfahren zur Beurteilung von Primärtumoren, insbesondere des Halslymphknotenstatus einen wichtigen Stellenwert. Darüber ist die Sonographie auch im Rahmen der Tumornachsorge für den Kopf-Hals-Chirurgen neben der klinischen Untersuchung ein wichtiges Verfahren zur Einschätzung des Krankheitsverlaufs.

Die Regionen des Weichteilmantels von Hals und Gesicht sind einer sonographischen Untersuchung sehr gut zugänglich. Einschränkungen sind Areale, die ganz oder teilweise von knöchernen oder lufthaltigen Strukturen (Unterkiefer, hinterer Bereich des Schlundes, Luftröhre und Innenraum der Mundhöhle) verdeckt sind. Tumore des Kehlkopfes lassen sich abhängig von dem Grad der Verknöcherung des Kehlkopfskeletts häufig sehr gut in ihrer Ausdehnung sichtbar machen.

Gut geeignet ist die Sonographie auch in diesen Fällen, bei denen ein Kehlkopf-Karzinom an der inneren oder äußeren Hülle des Schildknorpelskeletts lokalisiert ist. Tumore des Schlundes können in ihrer Größenausdehnung in den meisten Fällen, besonders im Seitenvergleich, genau in ihrer Größe vermessen werden. Dies gelingt ebenso bei Raumforderungen der Lippen- und Wangenweichteile. Bösartige Raumforderungen der Nasennebenhöhlen sind, wenn diese in der Kieferhöhle lokalisiert sind, häufig mit der B-Scan-Sonographie zu visualisieren, eine notwendige computertomographische Evaluation zur exakten Größenbestimmung ist aber unverzichtbar.

Ebenso hervorragend abgrenzbar sind Veränderungen der Schilddrüse und der Zunge. Der größte Vorteil der Sonographie zeigt sich dadurch, dass der klinische Untersucher die Informationen der Untersuchung selbst mit dem Ultraschallbild korrelieren kann. Ferner gelingt es, die für eine operative Therapie relevanten Nachbarschaftsverhältnisse klar zu definieren und eine präzise Operationsplanung zu ermöglichen.

Im Bereich der Operationsplanung umfasst dies besonders folgende Aspekte:

  • Mögliche Beteilung von Nerven, Venen und Arterien als Gefahrenpunkte bei einer geplanten Operation
  • Dreidimensionales Vermessen einer Veränderung und Größenbestimmung
  • Einbruch von Tumoren in Nachbarstrukturen
  • Abschätzen der Operationsdauer und des Risikoprofils

Eine wesentliche Indikation der Sonographie ist des Weiteren die Bestimmung des Halslymphknotenstatus bei Tumoren.

Speichelsteine am Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse rechts. Die zwei hellen stabförmigen Echoreflexe verlegen den Abfluß des Speichels und führen zu einer Schwellung der betroffenen Drüse.

Speicheldrüsen

Bei Speicheldrüsenerkrankungen ist die Ultraschalluntersuchung die primäre Bildgebende Methode. Raumforderungen in der Ohrspeicheldrüse und in der Unterkieferspeicheldrüse sind hervorragend mit der Farbdoppler-Sonographie und B-Scan-Sonographie visualisierbar. Entzündliche Prozesse, Tumoren oder Beteiligungen dieser Drüsen bei Systemerkrankungen (z.B. aus dem rheumatischen Formenkreis, Autoimmunerkrankungen) sind nicht invasiv zu beurteilen und ersparen häufig eine Probeentnahme, bzw. ermöglichen ein minimalinvasives Vorgehen.

Gesichtsweichteile

Unklare Schwellungszustände der Wangenweichteile und der Augenhöhle, tumoröse Neubildungen und Entzündungen können mit Hilfe der B-Scan Sonographie auf eine für den Patienten schonende Weise untersucht werden. Eine Diagnosestellung ist in Verbindung mit dem klinischen Bild oftmals möglich. Auch bei Verletzungen des Mittelgesichts (Nasenbeinfraktur, Jochbogenfraktur) gewährleisten Ultraschallverfahren einen schnellen Überblick über Ausmaß und Ausdehnung der Schäden.

Die Sonographie der Nasennebenhöhlen  wird häufig bei entzündlichen Erkrankungen zur Verlaufsbeurteilung durchgeführt.

Die Sonographie der Kaumuskulatur hat ihre Bedeutung in der Kieferorthopädie und Kieferchirurgie ferner zur Dokumentation und Verlaufsbeobachtung von Okklusionstörungen und Luxationen.