Zöliakie-Diagnose mit Hilfe von Ultraschall

05.05.2011 | Pressemitteilungen 2011

Gluten-Unverträglichkeit mitunter schwer feststellbar

Durchfall, Blähungen, Abgeschlagenheit und Erbrechen sind nur einige Symptone, die auf eine Zöliakie hindeuten: In Deutschland verträgt etwa jeder 500. Einwohner kein Gluten, ein in Getreide enthaltenes Klebereiweiß. Zöliakie ist mitunter schwer zu diagnostizieren. Liefern Bluttests kein eindeutiges Ergebnis, hilft laut einer aktuellen Studie eine Ultraschalluntersuchung, die Erkrankung zu erkennen oder auszuschließen. Dies kann Betroffenen oft eine belastende Zwölffingerdarmspiegelung ersparen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) hin.

Gluten löst bei einigen Menschen eine Entzündung der Dunndarmschleimhaut aus. Die Folge kann schwerer Durchfall mit Erbrechen sein. Viele Patienten, oft auch Kleinkinder, leiden aber unter unklaren Beschwerden. Sie sind appetitlos und müde. Für die Diagnose steht heute ein Bluttest zur Verfügung, der Antikörper im Blutserum nachweist. Es gibt jedoch auch Patienten, bei denen der Test nicht anschlägt. Bei ihnen musste bisher eine Spiegelung des Zwölffingerdarms durchgeführt werden, um eine Gewebeprobe zu entnehmen.

Wissenschaftler der Clinical Medicine and Emerging Pathologies der Universität von Palermo untersuchten mehr als 500 Patienten mit für Zöliakie typischen Symptomen: Über 70 von ihnen wiesen keine entsprechenden Antikörper im Blut auf. Die Ultraschalluntersuchung stimmte in mehr als 90 Prozent der Fälle mit dem Ergebnis überein und konnte eine Zöliakie ausschließen beziehungsweise bestätigen.

„Typische Veränderungen der Zöliakie sind mittels Ultraschall im Bauchraum gut erkennbar”, sagt Dr. med. Hans Worlicek, Sonografie-Experte vom Facharztzentrum Gastroenterologie in Regensburg. Dazu gehören nicht nur Luft und Flüssigkeit in den erweiterten Dünndarmschlingen, veränderte Darmbewegungen und eine Verdickung der Darmwand. „Ein wichtiger Hinweis auf die Erkrankung sind auch entzündliche Vergrößerungen der Lymphknoten und sogar Veränderungen in der Leber”, so der Gastroenterologe. Die aktuelle Studie zeige somit, dass die Ultraschalluntersuchung den Verdacht auf eine Zöliakie erhärten kann. Abschließend ist zwar noch eine Zwölffingerdarmspiegelung mit einer Probenentnahme notwendig. Diese bleibt aber jenen Patienten erspart, bei denen die Ultraschalluntersuchung keinen Hinweis auf eine Zöliakie ergibt.

Eine klare Diagnose ist nicht nur wichtig, um die Beschwerden zu lindern. Menschen, die unter einer Gluten-Unverträglichkeit leiden, haben auch ein erhöhtes Risiko, an Darm- und Lymphknotenkrebs zu erkranken. Auch hier kann die Ultraschalluntersuchung hilfreich sein. Dr. Worlicek betont: „Der Arzt wird bei der Untersuchung von Zöliakie-Patienten immer auch auf mögliche Anzeichen einer Krebserkrankung achten.”

Voraussetzung für einen verlässlichen Befund ist neben der Verwendung moderner Ultraschallgeräte eine gute Ausbildung des Arztes. „Die DEGUM bietet deshalb im Rahmen ihres Drei-Stufenkonzeptes zertifizierte Fortbildung für sonografierende Ärzte aller Fächer an“, sagt Privatdozentin Dr. med. Annegret Geipel, Schatzmeisterin der DEGUM.

Quelle:
Soresi M, Pirrone G, Giannitrapani L, Iacono G, Di Prima L, La Spada E, Di Fede G, Ambrosiano G, Montalto G, Carroccio A.
Abdominaler Ultraschall bei Zöliakie: Schlüsselrolle in schwierigen Fällen
Ultraschall in der Medizin 2011; 32(S01): 53-61

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