Ultraschall in der Gefäßchirurgie

22.09.2010 | Pressemitteilungen 2010

Erkrankungen des Herzkreislaufsystems sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Laut Angaben des Statistischen Bundesamts lag bei knapp der Hälfte aller im Jahr 2008 Verstorbenen eine solche Erkrankung vor. Mehr als 90 Prozent von ihnen war älter als 65 Jahre. Gefäßerkrankungen müssen daher frühzeitig erkannt und behandelt werden. Das erfordert eine exakte Diagnostik und häufig eine chirurgische Therapie. Moderne Ultraschallverfahren erlauben es, vor, während und nach Operationen schonend, ohne Strahlenbelastung und kostengünstig den Zustand von Blutgefäßen festzustellen, teilt die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) mit. Die DEGUM stellt wichtige Anwendungs-bereiche moderner Ultraschallverfahren in der Gefäßchirurgie im Rahmen einer Pressekonferenz heute in München vor.

Um Schlaganfälle zu vermeiden, muss der behandelnde Arzt Gefäßablagerungen in hirnzuführenden Blutgefäßen wie etwa der Halsschlagader präzise erkennen und beurteilen können. „Der Ultraschall reicht hier in über 95 Prozent der Fälle als alleinige Methode aus, um darüber zu entscheiden, ob eine Operation notwendig ist und mit welcher Methode ein Gefäßchirurg operieren muss“, erläutert Dr. med. Stefan Nöldeke vom Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Auch während und nach einer Operation seien sonografische Untersuchungen allen anderen Methoden zur Verlaufskontrolle überlegen, so der DEGUM-Experte.

Auch in der Venenchirurgie wird Ultraschall mit hochfrequenter Technik eingesetzt: Zum Beispiel in der Diagnostik vor einer Operation, um das Ausmaß von Krampfadern genau zu bewerten. Insbesondere aber während des Eingriffs sei der Ultraschall heute aus dem Operationssaal nicht mehr wegzudenken, so Nöldeke. Bei modernen Katheterverfahren wie der Radiofrequenzablation – hierbei wird die Vene durch Hitze verlötet – ist der Ultraschall zwingend Bestandteil der Methode. Darüber hinaus spielt die Qualität der Venen eine Rolle, wenn es darum geht, Gewebe zu ersetzen. „Venen können im Laufe eines Lebens unter Umständen ein wichtiges Reservoir für den Gefäßchirurgen darstellen, etwa dann, wenn einem herzkranken Patienten ein Bypass gelegt werden muss.“ Hierbei greifen Gefäßchirurgen auch auf Teile von Beinvenen zurück. Insgesamt hat der Ultraschall die strahlenbelastende Venografie mit Kontrastmittel in fast 100 Prozent aller Fälle ersetzt. .

Kommt es etwa bei Patienten mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) zur Gefäßeinengung im Bein, muss der Arzt genau untersuchen, ob sich die Engstelle durch einen Bypass überbrücken lässt oder ob eine Ballonerweiterung ausreichend ist. Bislang wird meist eine Angiografie durchgeführt, bei der die Gefäße mit Kontrastmittel dargestellt werden. „Offenheit und Flussverhältnisse der Gefäße können mit Ultraschall jedoch oft viel genauer beurteilt werden als mit den anderen bildgebenden Methoden“, sagt Dr. Nöldeke. Auf diese Weise kann der Arzt sehen, ob sich das verschlossene Gefäß überbrücken beziehungsweise an ein anderes anschließen lässt. Mit hochfrequenten Ultraschallsonden kann der Arzt sogar während der Operation prüfen, ob ein Bypass oder ein Blutgefäß durchlässig sind, ob sich Gerinnsel bilden oder Nahtstellen den Blutfluss behindern.

„Eine moderne Gefäßchirurgie kommt ohne neueste Ultraschalltechnologie nicht aus, sei es zur Reduktion von Strahlenbelastungen durch andere bildgebende Verfahren, zur Erhöhung der Effizienz und im Rahmen der Qualitätskontrolle“, so Dr. med. Stefan Nöldeke.

Download Pressemitteilung