Sonografie in der Regionalanästhesie

16.05.2011 | Pressemitteilungen 2011

Ultraschall erleichtert Schmerzausschaltung

Moderne Ultraschallgeräte machen den Verlauf von Nerven sichtbar. Waren sie lange Zeit für die Regionalanästhesie zu unhandlich, nutzen Schmerztherapeuten heute tragbare Sonografie-Geräte, um treffsicher gezielt einzelne Nerven zu betäuben, sei es zum Beispiel in der Achselhöhle oder an der Wirbelsäule. So gelingt eine schmerzlose Geburt mittels Epiduralanästhesie häufiger, wenn diese unter Ultraschallsicht gelegt wird. Dies berichtet die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM).

Obwohl es bereits seit mehr als 20 Jahren möglich ist, Nervenzellen mit Ultraschall darzustellen, hat sich die Sonografie lange nicht in der Regionalanästhesie durchgesetzt. „Lange Zeit waren die Geräte für die Anwendung in der Schmerztherapie zu unhandlich”, sagt Dr. med. Stefan Nöldeke, Vorstandsmitglied der DEGUM und Chefarzt der Abteilung für Gefäßchirurgie – Vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie – Venenzentrum, am Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Mit zunehmender Verkleinerung und wachsender Verbreitung tragbarer hochauflösender Geräte haben sich die Voraussetzungen inzwischen deutlich verbessert. „Heute müssen wir den Patienten nicht mehr zum Ultraschallgerät transportieren”, erläutert Dr. Nöldeke: „Die Untersuchung ist auch am Krankenbett möglich.”

Bei der Regionalanästhesie führt der Schmerztherapeut mit einer Hand die Ultraschallsonde, während er mit der anderen Hand die Injektionsnadel in Richtung des Zielnerven vorschiebt. Beides, Nadel und Nerv, werden auf dem Monitor sichtbar. „Selbst die Verteilung des Betäubungsmittels im Gewebe kann verfolgt werden”, sagt Dr. Nöldeke.
Unter diesen Bedingungen gelingen Nervenblockaden auch an schwierigen Stellen, zum Beispiel die Plexusblockade in der Achselhöhle, wo eine Vielzahl von Sehnen, Blutgefäßen und Nerven neben- und übereinander verlaufen. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Epiduralanästhesie in der Geburtshilfe. Für eine schmerzfreie Geburt müssen die Ärzte das Betäubungsmittel in die unmittelbare Nähe des Rückenmarks leiten. Zu diesem Zweck schieben sie eine feine Nadel zwischen zwei Dornfortsätze der Wirbelsäule etwa vier bis fünf Zentimeter vor. Die Ärzte müssen dabei darauf achten, keine Blutgefäße zu verletzen und die Rückenmarkshaut nicht zu durchstechen. „Das gelingt auch erfahrenen Anästhesisten nicht immer auf Anhieb”, berichtet Dr. Nöldeke: „Ultraschall ist hier eine willkommene Hilfe.” Die Steigerung der Erfolgsrate sei inzwischen durch Studien belegt. Im Einzelfall könnten Anfänger mit einem Ultraschallgerät sogar ihre erfahrenen Kollegen übertreffen.

Die Ultraschalluntersuchung selbst ist allerdings nicht einfach. Dr. Nöldeke: „Die optimale Darstellung der Zielstruktur gelingt nur, wenn der Untersuchende das Ultraschallgerät richtig einstellt und das Bild korrekt bewertet.” Die DEGUM organisiert deshalb Fortbildungen für interessierte Schmerztherapeuten. Mit den Zertifikaten können diese ihre Fähigkeiten auch gegenüber ihren Patienten dokumentieren.

Quellen:
Schnabel A, Schuster F, Ermert T, Eberhart LH, Metterlein T, Kranke P.
Ultrasound Guidance for Neuraxial Analgesia and Anesthesia in Obstetrics: a Quantitative Systematic Review.
Ultraschall in der Medizin 2010; doi: 10.1055/s-0029-1245724

Schwemmer, U.; Markus, C. K.; Brederlau, J.; Schuster, F.; Redel, A.; Roewer, N.:
Einsatz von Ultraschall zur Durchführung peripherer Nervenblockaden
Use of Ultrasound in Peripheral Nerve Blocks
Ultraschall in Med 2009; 30: 6-24

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