Mit Ultraschall Koronare Herzkrankheit (KHK) beurteilen

02.03.2011 | Pressemitteilungen 2011

„Stress-Analyse“ zeigt Infarktrisiko an

Mit der Stressechokardiografie können Kardiologen eine Koronare Herzkrankheit (KHK) feststellen und prüfen, wie stark die Herzkranzgefäße durch Arteriosklerose verengt sind. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Herzfunktion und das individuelle Herzinfarktrisiko eines KHK-Patienten ziehen. Besonders wichtig ist diese Ultraschalluntersuchung bei Frauen und bei Menschen mit Diabetes, so die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). Denn bei ihnen sind die Symptome häufig untypisch. Im Rahmen einer Pressekonferenz am 9. März 2011 in Berlin stellen Experten der DEGUM neueste Entwicklungen in der Echokardiografie vor.

Bei der „Stressechokardiografie” bringt der Patient seinen Herzschlag auf einem Fahrradergometer auf Touren. Ist dies beispielsweise wegen Gelenkerkrankungen nicht möglich, kann der Arzt den Pulsschlag auch durch Medikamente oder einen Herzschrittmacher steigern. Während der Belastung führt der Arzt eine Ultraschalluntersuchung durch und beobachtet die Herztätigkeit auf dem Monitor. „An Veränderungen der Wandbewegungen können wir erkennen, ob Abschnitte des Herzmuskels nicht ausreichend mit Blut versorgt werden,” erläutert Dr. med. Ralph Stephan von Bardeleben, Oberarzt in der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin, II. Medizinische Klinik und Poliklinik an der Universitätsmedizin Mainz. Die Ursache sind meistens Verengungen in den Herzkranzgefäßen. Im Unterschied zu einer Koronarangiografie kommt das „Stress-Echo” ohne Katheter und ohne Röntgenstrahlen aus. Es sei zudem kostengünstiger und die notwendigen Ultraschallgeräte seien in jedem Krankenhaus und in vielen Arztpraxen vorhanden, betont der Experte.

Häufig sind nach einem „Stress-Echo” keine weiteren Untersuchungen notwendig. „Besteht der Patient den Test, sind wir zu 96 bis 98 Prozent sicher, dass es in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht zum Herzinfarkt kommt, selbst wenn er unter den typischen Brustbeschwerden leidet”, sagt Dr. von Bardeleben: „Ist allerdings die Herztätigkeit im Stress-Echo gestört, können wir mit fast 90-prozentiger Sicherheit voraussagen, ob eine Verengung der Herzkranzgefäße mit hohem Herzinfarktrisiko vorliegt.”

Besonders wichtig ist das „Stress-Echo” bei Frauen und bei Menschen mit Diabetes mellitus, erläutert Dr. von Bardeleben. „Bei Frauen werden Herzerkrankungen häufig erst spät erkannt. Die Symptome werden falsch gedeutet und potenzielle Gefahren unterschätzt. Mit dem Stress-Echo können wir schnell feststellen, ob ein Risiko besteht”. Bei Menschen mit Diabetes kommt es aufgrund einer blutzuckerbedingten Schädigung der Nerven, der diabetischen Neuropathie, häufig gar nicht zu Beschwerden. „Anstelle der typischen Brustschmerzen, der Angina pectoris, klagen die Patienten oft über Atemnot oder einen Leistungsknick”, berichtet Dr. von Bardeleben: „Auch hier verschafft uns das Stress-Echo schnell eine Orientierung, wie es wirklich um das Herz steht.”

Die Leistung der Ultraschall-Geräte hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Mittels der Doppler-Untersuchung können Ärzte die Durchblutung im Herzmuskels selbst sichtbar machen. Die hohe Auflösung erlaubt mittlerweile eine Texturanalyse des Herzmuskels. Dr. von Bardeleben erwartet, dass Genauigkeit und Treffsicherheit des Stress-Echos in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Der Experte stellt die echokardiografisch gesteuerte multidimensionale Stress-Analyse auf einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) am 9. März 2011 in Berlin vor.

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