Qualifizierte Beratung bei Schwangerschaftsdiagnostik notwendig

28.03.2012 | Pressemitteilungen 2012

Mit Ultraschalldiagnostik Fehlbildungen bei Ungeborenen früher feststellen

Um eine informierte Entscheidung für oder gegen eine Diagnostik treffen zu können, sollten Eltern über die Bedeutung und Tragweite einer solchen Untersuchung informiert sein. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) hin: Vor einer pränatalen Untersuchung hätten werdende Eltern ein Recht auf eine verständliche Beratung. Derzeit mangelt es jedoch vielen werdenden Müttern an diesem Wissen, zeigt eine aktuelle Studie. Welche Vorsorgeuntersuchungen die überarbeiteten Mutterschaftsrichtlinien vorsehen und wie schwangere Frauen verlässliche Beratung finden, erläutern Experten der DEGUM im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin.

Auf der Veranstaltung am 29. März 2012 erläutern Experten der DEGUM, was sich angesichts der neuen Mutterschaftsrichtlinien, die in Kürze in Kraft treten sollen, für Schwangere und Frauenärzte ändert. So sollen künftig alle schwangeren Frauen zwischen der 19. und 22. Schwangerschaftswoche Anspruch auf ein erweitertes Ultraschall-Screening beim niedergelassenen Frauenarzt haben. „In diesem Zusammenhang ist uns auch das Thema Beratung ein Anliegen“, betont Professor Annegret Geipel, Leiterin der Abteilung für Geburtshilfe und Pränatale Medizin am Universitätsklinikum Bonn und Vorstandsmitglied der DEGUM.

Viele Frauen, das zeigen Erhebungen, wissen zu wenig über pränatale Untersuchungen und ihre möglichen Konsequenzen. Erst kürzlich haben Wissenschaftler der Frauenklinik am Universitätsspital Basel 60 Schwangere auf ihr Wissen zum Ersttrimesterscreening getestet. Unter anderem befragten sie dazu werdende Mütter zwischen der siebten und zehnten Schwangerschaftswoche unmittelbar nach dem Besuch beim Frauenarzt. Wie die Wissenschaftler um Dr. Sibil Tschudin feststellten, konnten die Frauen – trotz einer vorhergehenden Beratung durch den Gynäkologen – nur ein bis zwei Drittel der Wissensfragen zum Ersttrimesterscreening richtig beantworten. Besonders Frauen mit Migrationshintergrund hatten dabei Schwierigkeiten. In Anbetracht des Informations- und Wissensdefizits seien die Voraussetzungen für eine informierte Entscheidung vor allem bei diesen Patientinnen kaum gegeben, warnen die Wissenschaftler im Fachblatt „Ultraschall in der Medizin“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart).

„Die Daten sind auf Deutschland durchaus übertragbar“, kommentiert Annegret Geipel. „Auch zu uns in die Klinik kommen häufig Migrantinnen, die – sowohl sprachlich als auch kulturell bedingt – die Dimensionen der Untersuchungen nur bedingt verstanden haben“. Doch auch manchen deutschen Frauen fehle das nötige Wissen um die Möglichkeiten aber auch um die Konsequenzen der pränatalen Diagnostik. „Es ist es Aufgabe des Arztes, den Betroffenen die Kompetenz zu einer informierten Entscheidung zu vermitteln“, sagt Geipel. Dabei gelte es auch, die jeweilige Situation der Frauen und Paare einschließlich ihres sozialen und kulturellen Hintergrundes zu berücksichtigen.

Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge können werdende Mütter in Deutschland eine Reihe von Vorsorgeuntersuchungen durchführen lassen. Diese müssen mit einer Beratung einhergehen, so die DEGUM: So sollte der behandelnde Arzt eine Schwangere zum Beispiel darüber informieren, wie genau und aussagekräftig eine Untersuchung ist, welche Ziele sie hat und welche Folgen das Ergebnis für die weitere Schwangerschaft haben kann. „Wichtig ist dabei nicht nur, dass die Beratung umfassend erfolgt, sondern dass sich der Arzt auch mit dem nötigen Einfühlungsvermögen versichert, dass die Botschaft bei den Frauen angekommen ist“, betont Professor Geipel. Die Frauen müssten auch darüber informiert werden, welche Untersuchungen zur regulären Schwangerenvorsorge gehören und welche nicht.

Auf der Presskonferenz am 29.03.2012 in Berlin diskutieren Experten der DEGUM auch über die Qualität des Ultraschall-Screenings in Deutschland und welche Verbesserungen durch die Änderungen der Mutterschaftslinien zu erwarten sind.

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