Plötzlicher Kindstod durch Ultraschallscreening vermeidbar

02.03.2007 | Pressemitteilungen 2007

Harmlose Untersuchung rettet Leben von Neugeborenen

Mangelnder Blutfluss zum Gehirn kann den gefürchteten plötzlichen Kindstod verursachen. Dies ergaben Untersuchungen von Bamberger Ultraschallexperten an mehr als 14.300 Neugeborenen. Auslöser der Minderdurchblutung ist häufig ein stark zur Seite gedrehter Kopf, wenn das Baby auf dem Bauch liegt. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) empfiehlt deshalb Ultraschall-Reihenuntersuchungen bei Säuglingen. Damit ließen sich gefährdete Kinder rechtzeitig erkennen und Fälle von plötzlichem Kindstod vermeiden.

Das so genannte Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) ist die häufigste Todesursache während der Kindheit und galt bislang als weitgehend ungeklärt. In den Industrieländern sterben daran ein bis zwei von 2000 Kindern im ersten Lebensjahr. Ohne jede erkennbare Ursache finden Eltern ihr Baby leblos im Bett. „Durch ein dopplersonographisches Screeningprogramm der Hirnbasisarterien könnten Risikokinder erkannt und die Inzidenz von SIDS gesenkt werden“, sagt Professor Dr. med. Karl-Heinz Deeg von der Klinik für Kinder und Jugendliche von der Sozialstiftung des Klinikums Bamberg.

Eine Ursache des SIDS sei eine lagebedingte Minderdurchblutung des Hirnstamms, so Deeg. Er untersucht an seiner Klinik neu geborene Kinder mit einer speziellen Ultraschallmethode – der Dopplersonographie. Mit dem für das Kind harmlosen Test prüft er den Blutfluss in einer Schlagader, die den Hirnstamm, den Sitz des Atem- und Kreislaufzentrums, mit Blut versorgt. Das Ergebnis: Bei den meisten Neugeborenen fließt das Blut in der Arteria basilaris mit ‚gesundem’ Tempo – unabhängig von der Lage. Bei 1,5 Prozent der Babys jedoch fließt es – verursacht etwa durch seitliches Drehen des Kopfes in Bauchlage – sehr langsam. Mitunter stockt bei diesen sogar der Blutstrom oder das Blut fließt rückwärts. Laut den Ergebnissen der Bamberger Forscher führt die Drehung des Kopfes bei diesen Säuglingen dazu, dass ein von der Wirbelsäule zum Gehirn führendes Blutgefäß zusammengedrückt wird. Der Hirnstamm werde dadurch nicht mehr ausreichend durchblutet. Folge kann der plötzliche Säuglingstod sein.

Seit 1998 haben an dem freiwilligen Programm mehr als 14.300 Neugeborene teilgenommen. Nur eines dieser Kinder ist gestorben. „Risikokinder mit krankhaftem Blutfluss überwachen wir mit einem Herzatemmonitor“, erläutert Professor Deeg. Eltern dieser Kinder empfehlen die Forscher außerdem, ihr Kind so zu betten, dass ein normaler Blutstrom gewährt sei. Um bundesweit möglichst viele Neugeborene von diesen Erkenntnissen profitieren zulassen, setzt sich die DEGUM für entsprechende Ultraschall-Screenings ein. Entscheidend sei dabei, dass die Ultraschalluntersucher fachlich – gemäß den Kriterien der DEGUM – qualifiziert sind. An der Bamberger Untersuchung nahmen seit Beginn des Programms  1998 die Eltern von 3280 Neugeborenen nicht teil. Aus dieser Gruppe starben, wie statistisch zu befürchten, vier am plötzlichen Kindstod.

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