Mit Hitzesonden und Ultraschall gegen den Tumor

27.05.2010 | Pressemitteilungen 2010

Hat ein Darmtumor seine Zellen bereits in die Leber gestreut, schwindet für die Betroffenen zuneh-mend die Aussicht auf Heilung. Die Zerstörung der Metastasen mittels Hitzesonden verbessert jedoch bei einigen Patienten die Prognose. Dies zeigt jetzt eine Aus-wertung der aktuellen Studienlage, wie die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) betont. Im Rahmen einer Pressekonferenz am 27. Mai 2010 in Berlin stellen Experten der DEGUM das Verfahren und die Ergebnisse vor und erläutern, welche Patienten von der sogenannten Radiofrequenzablation (RFA) profitieren.

Jährlich erkranken in Deutschland rund 69 000 Menschen an Darmkrebs. Etwa 27 000 Betroffene sterben daran. Tumore siedeln ihre Tochtergeschwulste besonders häufig in der Leber an: Bei fortgeschrittenem Darmkrebs entwickelt etwa jeder zweite Patient Metastasen in diesem Organ. Wenn möglich entfernen Operateure diese chirurgisch. Eine neue Alternative neben der Chemotherapie ist außerdem die Radiofrequenz-ablation (RFA). Dabei schiebt der Arzt unter Ultraschall-kontrolle eine nadelförmige Elektrode in die Metastase vor. Je nach Größe verabreicht er der Geschwulst damit für etwa zehn Minuten Wechselstrom. Dies versetzt die Teilchen des Tumor-gewebes so stark in Bewegung, dass sie sich erwärmen und verschmoren. Die RFA verhindert ein erneutes Auftreten von Metastasen bei mehr als der Hälfte der behandelten Patienten.

Inwieweit Patienten tatsächlich von dieser Therapie profitieren, prüften Ärzte der Asklepios Klinik in Hamburg-Altona kürzlich anhand von insgesamt 21 Studien. Deren Auswertung ergab, dass die RFA zwar eine Operation nicht ersetzen kann. „In Kombination mit einem solchen Eingriff verbessert sie aber bei bestimmten Patienten die Prognose“, sagt Dr. med. Axel Stang, Chefarzt für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin an der Asklepios Klinik Hamburg Barmbek. Wenn sich der Tumor nicht entfernen lässt, so ist die RFA der Chemotherapie deutlich überlegen, schreiben Stang und Kollegen in der Fachzeitschrift „European Journal of Cancer“. „Unsere Studie zeigt allerdings eindeutig, dass das Rückfallrisiko ab einer Tumorgröße von drei Zentimetern sprunghaft ansteigt“, bilanziert der Erstautor. „Deshalb sollte man die RFA derzeit nur bei sorgfältig aus-gewählten Patienten anwenden.“

Im Rahmen einer Pressekonferenz der DEGUM am 27. Mai 2010 in Berlin stellt Dr. Stang die Methode vor und erläutert, für welche Patienten sie sich eignet. Darüber hinaus geht es darum, wie sich Tumoren in Leber und Prostata mit Ultraschall selbst behandeln lassen.

Quelle: A. Stang, R. Fischbach, W. Teichmann, C. Bokemeyer, D. Braumann: A systematic review on the clinical benefit and role of radiofrequency ablation as treatment of colorectal liver metastases. In: European Journal of Cancer, Vol. 45 (2009): S. 1748 1756

Terminhinweis:
Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM):
Gewebe entnehmen, Gallenstaus lösen, Krebszellen zerstören: Gezielte, sichere und schonende Diagnostik und Therapie mittels Ultraschall?
Termin: Donnerstag, den 27. Mai 2010, 12.30 bis 13.30 Ihr
Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Schifferbaudamm 40, 10117 Berlin

EUROSON-SCHOOL Interventional Sonography
27. bis 30. Mai 2010, Tagungszentrum Hotel Aquino
Hannoversche Straße 5b, 10115 Berlin

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