Lungenembolie

03.07.2006 | Pressemitteilungen 2006

Ultraschall ermöglicht sichere Diagnose am Krankenbett

Verstopfungen der Blutgefäße in der Lunge, so genannte Lungenembolien, gehören zu den am meisten gefürchteten Komplikationen bei bettlägerigen Patienten im Krankenhaus. Früherkennung ist in diesen Fällen häufig lebensrettend. Eine Ultraschall-Untersuchung, die jederzeit am Krankenbett möglich ist, kann vielfach die Diagnose beschleunigen. Dies betont die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). Ergebnisse einer aktuellen Studie (Chest 2005; 128: 1531-1538) mehrerer deutscher und österreichischer Kliniken bestätigen dies.

„Eine ideale Methode zum Nachweis einer Lungenembolie gibt es nicht“, sagt Dr. Andreas Schuler, stellvertretender Leiter der Sektion Innere Medizin der DEGUM und Mitautor der Studie. Viele Kliniken setzen heute eine Computertomographie (CT) ein. Doch nur die modernsten Geräte, so genannte Mehrschicht-CTs, liefern ausreichend genaue Bilder, um die Gefäße sicher zu erkennen. Bei älteren Geräten sind Atembewegungen und die raschen Aktionen des benachbarten Herzens oft für „verwackelte“ Bilder verantwortlich. Zudem sind die hochmodernen CT-Geräte in vielen Kliniken im Gegensatz zum Ultraschall nicht rund um die Uhr verfügbar.

Eine höhere Orts-Auflösung als das CT haben moderne Ultraschallgeräte. „Wir können heute auch Embolien in den kleinsten peripheren Gefäße erkennen“, sagt Dr. Schuler: „vorausgesetzt die Ärzte verfügen über genügend Erfahrung“. Der Umgang mit den Ultraschallgeräten ist schwierig und beim Brustkorb kommt erschwerend hinzu, dass die Lungen nur vom Raum zwischen den Rippen aus untersucht werden können. Um diesen Raum weit zu machen, sollten die Patienten bei der Untersuchung aufrecht im Bett sitzen und die Arme hinter dem Nacken verschränken. Mit Unterstützung sind aber auch Patienten im Liegen und auf der Intensivstation gut zu untersuchen. Die DEGUM betont, dass die Untersuchung nur von entsprechend geschulten und erfahrenen Ärzten durchzuführen ist. Sie sollten dem 3-Stufen-Konzept der DEGUM entsprechend mindestens den Standard der Stufe 1 erfüllen. „An der Studie durften ausschließlich Untersucher teilnehmen, die bereits mehr als hundert Ultraschalluntersuchungen des Thorax vorgenommen hatten“, betont Dr. Schuler.

Wenn die Voraussetzungen stimmen, hat die Ultraschalluntersuchung unbestreitbare Vorteile: „In unserer Studie wurden bei den einzelnen Patienten mit dem Ultraschall mehr Läsionen gesehen als mit der CT“, sagt Dr. Schuler. Geübte Ärzte können auch verschiedene Phasen der Lungenembolie verfolgen. Häufig kommt es nach einer Blockade des Gefäßes wieder zu einer Auflösung des Gerinnsels. Da die Ultraschallgeräte klein sind, kann die Untersuchung am Krankenbett jederzeit wiederholt werden – unnötige Transportwege für die sich häufig auf der Intensivstation befindenden Patienten entfallen. Ein weiterer Vorteil ist: Der Arzt wird, so Dr. Schuler, in gleicher Sitzung immer auch die Beinvenen mit Ultraschall untersuchen. Denn die meisten Embolien haben ihren Ursprung in Thrombosen der tiefen Beinvenen. Nicht selten lassen sich dort weitere Thromben beobachten, die jederzeit eine erneute Lungenembolie auslösen können. Dr. Schuler: „Wir können im Rahmen einer Untersuchung gleichzeitig die Ursache der Erkrankung und ihre Auswirkung feststellen.“ Durch die Kombination der Ultraschalluntersuchungen an Lunge, Herz und Beinvenen können weit mehr als 90 Prozent aller Lungenembolien diagnostiziert werden. Die rasch mögliche Diagnostik aus einer Hand erlaubt es, unverzüglich die – oft lebensrettende – Therapie einzuleiten.

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