Kongressbericht 3-Ländertreffen Ultraschall/Euroson 2013 Stuttgart

Eröffnungsansprache Dr. S. Nöldecke (Garmisch-Partenkirchen) DEGUM Präsident
Eröffnungsansprache Dr. S. Nöldecke (Garmisch-Partenkirchen) DEGUM Präsident

Vom 09. – 12.10.2013 fand in Stuttgart das 37. 3-Ländertreffen der DEGUM/ÖGUM/SGUM zusammen mit dem 25. Euroson Kongress der Europäischen Fachgesellschaft (EFSUMB) unter dem Motto „Science and Education“ statt.

Mit insgesamt 2042 Teilnehmern war dies der am zweitbesten besuchte jemals durchgeführte Ultraschallkongress der DEGUM zusammen mit Euroson. Lediglich Leipzig 2007 konnte genau 100 Teilnehmer mehr verzeichnen. Mit ca. 350 internationalen europäischen Teilnehmern aus allen europäischen Ländern ist der Anteil der internationalen Gäste gestiegen. 341 eingeladene Sprecher und Vorsitzende aus allen europäischen Ländern haben den internationalen Charakter dieses Kongresses geprägt.

Fortbildung/Education

Der Fortbildungsschwerpunkt des Kongresses wurde geprägt durch 10 deutschsprachige und 6 in englischer Sprache abgehaltene Anwenderseminare mit über 550 Teilnehmern. Hierbei waren wesentliche Themen aus allen Fachbereichen des Ultraschalls vertreten. Nationale und internationale Experten haben am Mittwoch, 09. Oktober die Teilnehmer in jeweils 4 Sitzungen a 1,5 Stunden detailliert und in die Tiefe gehend bewährtes aber vor allem über neue Entwicklungen informiert. Ein weiterer Schwerpunkt der Fortbildung waren die 74 sog. Refresher-Kurse (deutschsprachig 49, englisch 25) die über den gesamten Kongress verteilt zu allen Fachgebieten des Ultraschalls die Kenntnisse der Teilnehmer aufgefrischt haben.
Erstmals wurde ein strukturierter Kurs für Medizinstudenten in fortgeschrittenen Studiensemestern angeboten. Hierbei zeigten sich eine Teilnehmergruppe von ca. 30 Studierenden unter Anleitung von studentischen Tutoren und deren Professoren als sehr aktiv. Zwischenzeitlich ist hieraus eine länderübergreifende Zusammenarbeit medizinischer Fakultäten auf studentischer Ebene geworden. Dies ist umso erfreulicher, da dies den talentierten Nachwuchs auf internationaler Ebene vernetzt und deren Fähigkeiten gezielt fördert. Diese Aktivitäten werden zwischenzeitlich bei den Ultraschall 3-Ländertreffen der deutschsprachigen Fachgesellschaften fortgeführt.
Ein spezieller Kurs für das Assistenzpersonal im Ultraschall hat den Fortbildungsteil des Kongresses vervollständigt. Mit ca. 30 Teilnehmern war dies ein für deutsche Verhältnisse gut besuchter Kurs. Speziell im Sinne des Teamtrainings sollen diese Aktivitäten für die Zukunft bei deutschsprachigen Kongressen fortgesetzt werden.

Ultraschall-Lern-Zentrum/Hands-on Training

Inspiration im Ultraschall-Lern-Zentrum
Arbeitsplatz im Ultraschall-Lern-Zentrum

Ein weiterer sehr wesentlicher Beitrag war das Ultraschalllernzentrum mit zahlreichen praktischen Trainingskursen am Donnerstag, 10. und Freitag, 11. Oktober 2013. In jeweils thematisch fixierten Sitzungen wurden an Models und Simulatoren an 20 Arbeitsplätzen Hands-on-Trainings durchgeführt. Diese sehr rege frequentierten, praktischen Einheiten ermöglichten den direkten Kontakt von Ultraschallanwendern mit europäischen Sonografiespezialisten. Dies wurde übereinstimmend als exzellentes Trainingsangebot für die Teilnehmer gewertet. Für spezielle Fragestellungen wie fötale Echokardiographie und Pränataldiagnostik waren in abgeschlossenen Räumen Untersuchungsdemonstrationen an schwangeren Patientinnen selbstverständlich mit deren Einverständnis möglich. Sehr gut wurde auch ein Endosonographie-Teamtraining für Ärzte und Assistenzpersonal angenommen. Als besonderes „Schmankerl“ wurde begleitend zum Ultraschall-Lern-Zentrum ein Handbuch mit Tipps und Tricks von Europas Ultraschallspezialisten für die Workshop-Teilnehmer zur Verfügung gestellt.

Wissenschaft/Science

Präsidentschaftsübergabe der EFSUMB: Prof. Piscaglia (2011-2013) an Prof. Dietrich (2013-2015)

Im wissenschaftlichen Teil waren von 354 eingereichten Abstracts 308 angenommen worden. Hiervon waren 60 Case-Reports, der Rest wissenschaftliche Originalarbeiten (248).
Diese wurden in 23 Sitzungen mit 171 Vorträgen präsentiert.

Die Themenschwerpunkte waren neue Ultraschallmethoden wie die Elastographie und der Kontrastmittelultraschall, nach Fachgebieten ergaben sich Schwerpunkte in der Pränatalmedizin der Gynäkologie und Geburtshilfe, der Pädiatrie, der Gastroenterologie und der Gefäßmedizin. Auch neue Technologien und Ultraschall in der täglichen Praxis waren weitere Schwerpunkte. Naturgemäß war das Veranstalterland Deutschland mit 203 wissenschaftlichen Präsentationen ein Schwerpunkt, auch Italien, Rumänien, Russland und Polen waren überdurchschnittlich gut hinsichtlich wissenschaftlicher Präsentationen vertreten.
Die Postersitzungen wurden im Forum für junge Wissenschaftler in einer separaten Posterlounge alle, auch alle Kurzpräsentationen (insgesamt 110) präsentiert. Durch den Vorsitz von renommierten Ultraschallexperten wurde diese Kategorie besonders gefördert und herausgehoben, die ansonsten meist bei Kongressen ein Randdasein fristet. Dieses Forum wurde sowohl von den jungen Wissenschaftlern als auch den erfahrenen Moderatoren als sehr positiv beurteilt.

Wissenschaftspreise

Übergabe der Wissenschaftspreise an Frau Dr. Funaro, Frau Dr. Müller und Frau Dr. Stachs

Für herausragende wissenschaftliche Leistungen wurden Frau Dr. Annalisa Funaro (Universitätsklinik Neapel), Frau Dr. Anne Kathrin Müller (Medizinische Klinik 3, Waldklinikum Gera) und Frau Dr. Anngrit Stax (Universitätsklinik Rostock für Gynäkologie und Geburtshilfe) mit den Wissenschaftspreisen ausgezeichnet. Den Walter-Krienitz-Preis für die beste wissenschaftliche Arbeit in der onkologischen Ultraschallforschung erhielt Herr Dr. Dane Wildner (Medizinische Universitätsklinik Erlangen), Posterpreise gingen an Herrn Dr. Jan Degenhardt (Universitätsfrauenklinik Giessen), Herrn Dr. Attila Akinly (Medizinische Universitätsklinik Ulm), Herrn Dr. Ralf Schmitz (Universitätsfrauenklinik Münster) und Frau Dr. Stefanie Hardt (Klinikum Duisburg).
Preise für beste Case-Reports durften Herr Dr. Michael Höpfner (Medizinische Klinik am Rot Kreuz Krankenhaus Kassel), Frau Dr. Bettina Schlee (Universitätsfrauenklinik Heidelberg) und Frau Dr. Anja Förster (Klinikum Bamberg) mit nach Hause nehmen.
Kasuistiken sind für viele junge Kollegen der Einstieg in erste wissenschaftliche Tätigkeiten sowie aber auch für Erfahrene willkommene Fortbildung zu seltenen Themen. Die meist sehr gut besuchten Sitzungen mit dem Titel „Best Case Reports“ hatten auch für seltenen Erkrankungen viele interessante Informationen für die Zuhörer bereitgestellt.
Abgerundet wurde das Programm durch sog. State of the Art und Honorory Lectures, in denen herausragende Spezialisten aus Europa die wesentlichen bisher verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse zu einzelnen Themengebieten in den wissenschaftlichen Sitzungen als Übersichtsreferate vorangestellt haben.

Eröffnungsveranstaltung

Eröffnungsansprache Prof. A. Schuler, Kongresspräsident
Eröffnungsansprache Prof. F. Piscaglia (Bologna) EFSUMB Präsident
Festvortrag Prof. G. Maio Universität Freiburg

 

Ein besonderes Glanzlicht des Kongresses war die Eröffnungsveranstaltung mit dem Freiburger Medizinethiker Prof. Dr. Giovanni Maio. Er hat sich mit dem Thema „Ethik und Ökonomie- die Veränderung des Menschenbildes in der Medizin“ speziell auch mit der Methode des Ultraschalls und dessen Auswirkung auf den zwischenmenschlichen Dialog im klinischen Alltag beschäftigt. Zwischenzeitlich als Originalpublikation in der Zeitschrift Ultraschall in der Medizin 2014 publiziert, sagt Prof. Maio, dass ……“der Ultraschall gerade deswegen so eine faszinierende Methode“ ist, …..“ weil die Chance besteht, entgegen dem Strom der Zeit, die sachliche Objektivierung mit der zwischenmenschlichen Begegnung zusammenzuführen. Daher sollten die Ärzte, die nahe am Ultraschall sind, auch in unserer Zeit sich den zwischenmenschlichen Aspekt nicht abtrainieren lassen, sondern darauf beharren, dass der Ultraschall ein Dialog mit dem Patienten ist und bleiben sollte“. Diesem Grundsatz folgend, betonten die Kongresspräsidenten Prof. Dr. Andreas Schuler (Geislingen)  und Prof. Dr. Fabio Piscaglia (Bologna) gemeinsam, dass im Ultraschall als klinische Bildgebung die gebührende Stellung nicht nur als klinische Methode sondern auch als erstes bildgebendes Verfahren in der klinischen Medizin gebühren soll!

Zwischenmenschliche Begegnungen

Dank an das Kongressorganisationsteam (DEGUM/EFSUMB/Interplan)

Die Vielzahl der europäischen Teilnehmern konnten sich beim Kongressabend im Mercedes-Museum in Stuttgart von der besondern Aura der Industrie- und Technikentwicklungsgeschichte inspirieren lassen. Eine Vielzahl zwischenmenschlicher Begegnungen rund um Wissenschaft und Fortbildung („Science and Education“) im europäischen Ultraschall haben den Kongress zu einem Erfolg werden lassen.

Besonderer Dank der Kongresspräsidenten und Fachgesellschaften galt den Organisationsteams des Dreiländertreffens sowie der EFSUMB und der Firma Interplan, die den Kongress sehr professionell organisiert hatten. Mit über 40 Industrieausstellen hatte das Fachpublikum über 3 Tage die Möglichkeit sich über aktuellste technologische Entwicklungen und Möglichkeiten bei den Industriepartnern zu informieren. Dies dokumentiert die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit der Industriepartner mit den Wissenschaftlern, um rasch technische Neuerungen in den klinischen Alltag implementieren zu können und andererseits die notwendigen Anforderungen von Ultraschallspezialisten direkt im Dialog mit den Industrievertretern zu diskutieren.



Prof. Dr. med. A. Schuler
Kongresspräsident Ultraschall-Euroson 2013 Stuttgart