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Freitag, 25. April 2014

Die Sektion Radiologie

Ultraschall gibt es seit tausenden von Jahren in der Natur, nachdem in der Evolutionsgeschichte Tiere - als populärstes Beispiel sicherlich die Fledermaus - es gelernt haben, sich im Raum mit Ultraschall zu orientieren. 

Schon immer verblüffte die Mühelosigkeit, mit der Fledermäuse selbst in dunkler Nacht auf Beutefang gingen und dabei im schnellen Flug Hindernissen mit Leichtigkeit auszuweichen vermochten. Akustik heißt das Zauberwort, auf das die Menschen allein deshalb so lange nicht kamen, weil die von der Fledermaus ausgestoßenen Töne für das menschliche Ohr viel zu hoch sind. Während das Gehör des Menschen Schwingungen und Frequenzen zwischen 16-20000 Hertz wahrzunehmen vermag, liegt die Frequenz der von Fledermäusen produzierten Töne zwischen 30.000 und 70.000 Schwingungen pro Sekunde. Die Flugsicherheit der Fledermäuse beruht auf einer Echopeilung. Sie senden in rascher Folge Ultraschalltöne aus, die von den Gegenständen zurückgeworfen werden und von den Tieren als Information aufgenommen und "verstanden" werden. Das Weltbild der Fledermaus ist ein Hörbild.

Nichtsdesto Trotz verspürt ein Teil des Publikums bei näherer Bekanntschaft mit Fledermäusen immer noch leichte Gruselgefühle. Eher harmlos mutet in diesem Zusammenhang die Furcht vorwiegend weiblicher Individuen an, dass eine Fledermaus sich in ihre Frisur verirren könnte. Dies ist Aberglaube: Fledermäuse bevorzugen für ihren Aufenthalt Dachböden, Felsspalten, Baumhöhlen und Stollen. Bedenklicher ist, dass etwas von verlorenen Seelen oder Seelen auf Urlaub in den Köpfen spukt. Mit ihrem lautlosen Gleitflug und nächtlichen Wispern steht die Fledermaus seit Ovid für das Unheimliche bis auf den heutigen Tag. Seitdem lebte die Figur des Fledermausmenschen in Mythen und Volksmärchen fort. Ihre entschiedenste Ausprägung fand sie in der bluttriefenden Gestalt des Vampirs.

In den tropischen Nächten Mittel- und Südamerikas geht nach Einbruch völliger Dunkelheit eine Fledermausart auf Beutefang, deren Gebiß eigentümlich verändert ist. Die Zahl der Zähne ist auf zwanzig vermindert, die Vorderzähne haben messerscharfe Schneiden. Es handelt sich hier um Vertreter der Familie der Echten Vampire, von denen der bekannteste der Gemeine Vampir (Desmodus rotundus) ist. "Gemein" beschreibt hier keine Charaktereigenschaft, sondern spielt auf die Tatsache an, daß Desmodus rotundus erheblich weiter verbreitet ist als z.B. sein Artgenosse, der kleine Blutsauger (Diphylla ecaudata). Das reichlich austretende Blut wird mit der Zunge aufgeleckt, nicht wirklich ausgesaugt. Obwohl die aufgenommene Blutmenge so beträchtlich ist, daß der Leib des Vampirs bei einer Mahlzeit zusehends anschwillt, hält der Blutverlust sich doch meist in Grenzen. Dagegen droht wirkliche Gefahr durch den Biss eines Vampirs nur, wenn dadurch gefährliche Krankheiten übertragen werden. Dies sind in Mittel- und Südamerika für das Vieh eine spezielle Pferdeseuche, für den Menschen aber vor allem die Tollwut.

Nach Bekanntwerden dieser beunruhigenden Einzelheiten aus der Neuen Welt breiteten sich in Europa fantastische Vorstellungen und allerhand Aberglaube aus. Fledermäuse gehörten von nun an zur klassischen Entourage von Hexen und Teufeln, sie traten auf in den gothic novels des Philip Marlowe und den  cineastischen Hervorbringungen der Londoner  Hammer Productions  sowie zahlreicher Nachfolgeproduktionen, die in unseren Lichtspieltheatern die Vorliebe des Publikums für steile Zähne bedienen. Typisch war auch, dass  in der Malerei der Spätrenaissance (Hieronymus Bosch)  und des Barock, aber auch des ausklingenden Rokoko (Francisco Goya) und der Moderne (z.B. in den Federzeichnungen von Alfred Kubin) der Teufel, der sich einer Jungfrau oder einem Heiligen unziemlich nähert, Fledermausflügel trug oder zumindest von Fledermäusen begleitet wurde. Engel waren  dagegen grundsätzlich mit Vogelschwingen ausgestattet.

Die Radiologen und der Ultraschall

Wie allerdings die Fledermäuse einen Dachboden brauchen, die Vampire einen Clan, so benötigen die sonographisch tätigen Radiologen die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM).  Die Sektion Radiologie beschäftigt sich hier mit allen das radiologische Fachgebiet betreffenden  Organen bzw. Organsystemen. Exemplarisch seien die Ultraschalldiagnostik (B-Bild, Farbdoppler Duplexsongrpahie, kontrast-verstärkte Sonographie) des Abdomens und Retroperitoneums, des Thorax, der Halsorgane, des Skelettsystems und des Weichteilgewebes, der zentralen und peripheren Gefäße, der Hoden und der Mamma genannt.

Gemeinsam mit den Sektionen Chirurgie und Innere Medizin wurde in den letzten Jahren ein Qualitätssystem für Ultraschall-Untersucher (Stufe I-III) eingeführt, das eine flächendeckende Versorgung mit einer qualifizierten Ultraschalldiagnostik des Abdomens garantiert. Mindestanforderungen an Untersucher- und Gerätequalität werden überprüft und nach bestimmten Fristen rezertifiziert.

Ziel ist die Sicherstellung einer flächendeckenden Ultraschalldiagnostik von einer qualifizierten Basisdiagnostik (Stufe I) bis hin zu hochspezialisierten Referenzzentren in Klinik und Praxis für besondere Fragestellungen (Stufe III / Kursleiter). Die Qualitätsanforderungen betreffen sowohl Gerätequalität wie auch Untersucher-Erfahrung. Gleichzeitig werden die Anwender der Stufe II und III zu einer qualitativ hochwertigen Ausbildung des Nachwuchses verpflichtet.

Daher zum Ende der Appell: unbedingt eintreten!!!

Prof. Dr. M.-A.Weber       Prof. Dr. H. Strunk